Die Gemeindepartnerschaft „Dedes“ klingt aus

 

Ein ungarischer Theologieprofessor besuchte im Herbst 1986 den Neukirchener Verlag und einen Gottesdienst in der Dorfkirche. Aus dem Grußwort wurde ein Kontakt, aus dem Gespräch eine Absprache, und im nächsten Frühjahr stellte der Professor uns auf einer Erkundungsreise die Gemeinden seiner ehemaligen „Lieblingsstudenten“ vor. Dabei sprang der Funke über zu Zsuzsa und Pfarrer Endre Szücs in Dedestapolcsany. Im Sommer fuhren wir als Jugendchor dort hin und begründeten eine Freundschaft, die über 17 Jahre tief in die Herzen wurzelte und offiziell am 14.8.1989 in Anwesenheit des damaligen Superintendenten Schneider geschlossen wurde. Rad/Kanu-Freizeiten auf der Theiß, Bläser-Konzert-Reisen, vor allem aber Bautrupps und Freundschaftsgruppen fuhren hin und her. Sogar eine 3-Gemeinden-Freizeit mit den Falkenhagenern gelang uns. In vielem brauchten wir keine Klärung trotz der gegenseitig sehr fremden Sprachen: In Abendmahl und Gemeindeleitung, in Diakonie und Bevölkerungsbezug, in reformiertem Bekenntnis und reformatorischer Predigt. Ein ungarischer Bautrupp entfernte die Heraklit-Innendecke der Johanniskirche, und mehrere Bautrupps halfen dort bei Pfarrhaus, Gemeindehaus und Kirche. Ein Freundeskreis unterstütze fast 15 Jahre die Doppel-Gemeinde Dedes/Bantapolcsan in der Aufbringung des Pfarrergehalts, in unseren 3 Gottesdienststätten sammelten wir ebenso lang bis zu 10 mal im Jahr für unsre Freunde. Im Bericht zu seinem 20jährigen Ortsjubiläum1999 addiert Pfarrer Szücs Endre 423 „Besuchspersonen“ aus Neukirchen in Dedes und 159 „Gegenbesuche“ in dieser Ära.

Aber die Zeiten änderten sich. Die Perestroika wurde genutzt von amerikanischen Sekten und Freikirchen, wogegen sich die Reformierte Kirche Ungarns abgrenzen musste. Die Freizügigkeit des Reiseverkehrs nahm uns, den Freunden vom „Janos-Templom“ (wie Johanniskirche auf ungarisch heißt), den Vorrang, einziges Fenster zur westlichen Kultur zu sein. Die großen Säulen der Gemeindefreundschaft verstarben – auf unserer Seite Martha Schneider und auf Dedeser Seite der „Kurator“ Györfi Layos. Endre wurde stellvertretender Bischof und pendelt seitdem zwischen seiner Gemeinde und dem Bischofssitz hin und her. Noch gewichtiger wurde aber die Umgestaltung der Kirche zu einem (auch) regional wichtigen Ge- bäude des Denkmalschutzes und klassischer Musik. Nunmehr ist sie ein Kleinod, weit über das hinaus, was die gottesdienstliche Gemeinde benötigte und wir zu unterstützen bereit waren. Mit Mangel und Notlage lässt sich jedenfalls keine Kol- lekte mehr bei uns für Dedes begründen. Bleibt die Dankbarkeit für die enorme Erweiterung des ökumenischen Verstehens. Wir durften eine reformierte Dorf- Gemeinde von der Zeit des stählernen Vorhangs durch die Perestroika hindurch in den beginnenden Wohlstand begleiten, und haben viel dabei über uns selbst gelernt. Der Dank auf ungarischer Seite ist uns vielfach bezeugt worden, und gerne benutzen wir die ungarischen Holzschalen für unser Abendmahlsbrot und die Altardecke. Deswegen soll als Symbol ein lebendiger Fisch in Erinnerung bleiben, der – in Holz geschnitzt – gegen den Strom schwimmen gelernt hat. Er ziert die Kanzel einer Kirche in Miskolc, die abgebrannt ist und komplett in Holz wieder aufgebaut wurde. Leider gelang uns die Planung eines Abschlussbesuches nicht, so dass wir schweren Herzens als wichtigsten Einschnitt den Wegfall aller Kol- lekten-Termine für das angefangene Jahr 2005 in die Wege leiten mussten. In absehbarer Zukunft bleibt nunmehr die Freizeiten-Planung zwischen der Dedeser Schule und der Sonneck-Schule des Erziehungsvereins und einige private Bezie- hungen. Wir sagen als Gemeinde aber aus tiefstem Herzen  „aldas bekerseg“ – Gott segne euch. Manfred Mielke

 

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