Die Geschichte der Orgel in der Dorfkirche zu Neukirchen ist sehr wechselhaft. Diese Vielfalt sollte im jetzigen Neubau erkennbar sein und so ist es interessant, wenn mehrere Baumeister ihre Spuren hinterlassen.
Der Orgelbauer Thomas Weidtmann (1739) kommt durch den originalen Prospekt dominierend zur Geltung.
In der Einfassung des Spieltisches kommt mit seinen charakteristischen Aufdoppe- lungen der romantische Orgel- bauer Paul Faust (1906) in den Blick. Hier konnte nicht mehr der originale Unterbau verwendet werden, weil die neue Orgel nicht als seiten- spielige Brüstungsorgel zum Einsatz kommt, sondern ebenerdig und mittenspielig.
Das rechte Bild zeigt die Orgel der Kirche St. Maria Königin des Friedens in Dansweiler, in der 1964 die alten Pfeifen der Faust-Orgel eingebaut wurden.
Die Neuerung, die am meisten ins Auge fällt,
ist das eigenständige Pedalwerk hinter dem Hauptgehäuse. Dies hat seinen historischen Grund darin, dass die Weidtmannorgel gar kein selbständiges Pedalwek hatte.
Erst 1889 hat der Orgelbauer Derdack der Kirchengemeinde ein eigenständiges Pedal empfohlen. Dieser Vorschlag wurde damals abgelehnt. Bei dem jetzigen Neubau wurde diese Idee von dem Orgelbauer Uwe Renard umgesetzt.
Die meisten Anklänge gibt es an den Orgelbauer Willi Peter(1964), denn die neue Orgel enthält dessen Winderzeugung und seine Pedallade, sowie die Pedalregister Offenbass 16´ und Gedecktbass 8´. Ferner kommen die, um vier halbe Töne aufgerückten Register Mixtur 3-fach; Cimbel 2-fach und Octav 2´ aus der Peter-Orgel zum Einsatz.
Wie die Peter-Orgel geklungen hat, können Sie hier aus dem Orgel-Abschiedskonzert hören.
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Doch kommen wir nun zum Werk des Orgelbauers Uwe Renard aus Kevelaer.
Die Orgel besitzt zwei Manuale, die über eine mechanische Wechselschleiflade angesprochen werden und sie beinhaltet ein eigenständiges Pedalwerk. Die neue Orgel erhält die folgende Disposition, wobei die Manuale fast vollständig der Original Weidtmann-Orgel entsprechen:
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Hier können Sie zwei weitere Bilder der neuen Orgel ansehen: Bilder
Insgesamt enthält die neue Orgel 930 Pfeifen und die Koppeln II-I, I-P, II-P. Der Wind wird über Schleifladen geführt und Spiel- und Registertraktur sind aus Holz gearbeitet.
Alle kursiv geschriebenen Register und Orgelteile waren nach unseren Unterlagen nicht in der Weidtmann-Orgel vorhanden.
Zwei Besonderheiten hat diese neue Orgel. Zum einen kann sie mit allen Manualregistern einmanualig gespielt werden, wie seinerzeit die Weidtmann-Orgel. Das Instrument kann aber auch über die Wechselschleiflade mit dem zweiten Manual erklingen, dies kommt der heutigen Spielpraxis entgegen.
Außerdem können die Register Terz und Quinte sowohl für sich eingesetzt werden, als auch zusammen und dann ergeben sie das Register Sesquialtera, das bei anderen Weidtmann-Orgeln oft vorhanden war, nicht aber in der alten Neukirchener Orgel. Es bestand aber im Orgelausschuss die einhellige Meinung, die neue Orgel müsse in Anlehnung an sonstige Weidtmann-Orgeln mit (aliquoten) Färbungsregistern versehen werden.
Nun liegen acht Jahre Planungsarbeit und viele Gespräche und Angebote hinter uns. Und mehrere Gespräche und Aktionen bei denen es um die Finanzierung der Orgel ging:Spendenbriefe, aber auch Dorforgelsocken. Seit vier Jahren finden regelmäßige Bezirkskonzerte für die neue Orgel statt.
335 Orgelpfeifen wurden gegen Spenden abgegeben und auch die Kirchengemeinde hat den doppelten Betrag, der angesetzten Kosten für die Generalreinigung beigesteuert. 650 Bücher zur Geschichte der Dorfkirche wurden verkauft, alle in mühsamer Handarbeit hergestellt.
Also, danken wir hiermit allen für ihren ganz persönlichen Einsatz für die neue Orgel.
Anmerkung
Viel Kritik ist im Laufe der Zeit an der Aufstellung der alten Peter-Orgel laut geworden. Mittlerweile machen Briefe deutlich, dass dies nicht auf den Sparwillen der Gemeindeleitung, oder auf eine Fehlplanung des Orgelbauers zurück ging, sondern dies war der ausdrückliche Wille des Architekten, der hier energisch seine Vorstellungen verwirklicht hat.
Der Orgelbauer Uwe Renard
Ein paar persönliche Daten von Uwe Renard sollen zeigen: Hier haben wir es mit einem Orgelbauer zu tun, der sein Handwerk von Grund auf gelernt hat, der aber auch mit Holz, dem anderen wichtigen Material im Orgelbau fachgerecht umgehen kann.
Ausbildungen zum Tischler: Gesellenprüfung 1984.
Ausbildung zum Orgelbauer: Gesellenprüfung 1987, Meisterprüfung als Orgelbauer in Ludwigsburg 1992
Meister bei Romanus Seifert in Kevelaer, danach bei E.F. Walcker in Kleinblittersdorf. Gründung des eigenen Betriebes in Kevelaer. 1997
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Evangelische Kirchengemeinde Neukirchen
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