Unser Pro“gramm“ - nur in Kilogramm zu wiegen!
Anne Bows, Miriam Rogge
Jugendliche und ihr Verhältnis zur Politik
Annette Hampel
Malte Mielke, Anne Bouws, Tanja Jansen
Oliver Birk
FESPAD, ein Einblick in die Kultur Afrikas
Annette Hampel
Anne Bouws - Lisa Voigt
Besuch bei einer Bauernfamilie in Ruyumba
Oliver Birk
Samstags um 6 Uhr? Na klar: Fußballtraining!
Behrend Heeren, Sebastian Obst
In der „Ecole Primaire de Mburabuturo“
Gesine Voigt, Behrend Heeren
Annette Hampel, Anne Bouws
Getrennte oder geteilte PopKultur?
Sebastian Obst
Aids/Sida - der Besuch des Krankenhauses in Kirinda
Tanja Jansen , Miriam Rogge
Lets play guitar! Lets play bass! Unsere Workshops
Behrend Heeren, Sebastian Obst, Malte Mielke
Workshop „Sonorisation“ - das Singenlernen
Miriam Rogge, Tanja Jansen, Gesine Voigt
Gacaca - die ruandische Gerichtsform
Lisa Voigt
Gihene medium - oder doch lieber Chorziegen?
Oliver Birk
Vater-Unser - Predigtszenen in Ruanda (deutsche Übersetzung)
Lisa Voigt, Sebastian Obst
Data wa twese ibygisho bikinwe (prédication) Rwanda
Oliver Birk -
Die Fotoblätter
Justin Hakizimana
genannt „Hackes“, 46 Jahre alt und Journalist, guter Hausgeist des Gebäudekomplexes der Kirche Kiyovu, des Gästehauses und des Kirchenamtes, Spezialist für Cassettenaufnahmen und Sonnenbrillen a la Hildegard Knef...
Jean Claude Mungwaliho
26 Jahre alt und Beherrscher der meisten Deutschvokabeln wie zB: „Salade du Cable“ – kein Wunder, hielt er sich doch immer in der Nähe einer perfekt sprechenden Deutschen auf... Vorsicht, Synthis verstecken, „Klaus“ kommt...!
Francoise Mukamagabo
23 Jahre alte Frontfrau vom Chor der Gemeinde Kamuhoza, arbeitslos, Junggesellin, lebt mit 5-15 Clanmitgliedern und einem Islamisten-Bruder in der City – unsre Mukanya-gato-Lehrerin!
Alexis Muyoboke
20 Jahre alter Charmeur, Schüler und absoluter Sonnenschein – trotz unermesslicher Genozid-Traumatisierung!
Joseph Zigurumugaba
der 26 Jahre alte Bauer und Presbyter aus Ruyumba, Spender der privaten Kuh unseres Chorpräsidenten. Er verlor Kinder durch Krankheiten und hat Waisen aus dem Genozid aufgenommen, was ihn und seine Frau nicht gehindert hat, zwei weitere eigene in die wunderschöne und auch bitterhungrige Welt zu setzen.
Pascal Ntivuguruzwa
auch 26, aber Single, und trotz seines unmöglichen Nachnamens einfach nur ein Prinz. In wenigen Minuten war er displaydigitalsüchtig – kein Wunder, denn fotogen ist er auch noch.
Wellars Hagumimana
mit 24 Jahren ein selbständiger Bananenbauer an der Grenze zu Tansania. In seinem Jugendchor entsteht beim Singen spontan gottesdienstliches „Headbangen“. Er gab unserem Pfarrer eine aus Dosen und Knüppel selbstverklebte Gitarre mit.
Jean de Dieu Muhoza
auch 26 Jahre alt und nur wenige Kilos schwerer – ein Banyamulenge. Im Auftrag seiner „Association“, bei der er Nachtwächter ist, schreibt er Sida-Aufklärungs-Songs, doch beim Aufführen wird er angesichts seiner dünnen Ärmchen ausgelacht, weil alle vermuten, dass er zu genau weiß, wovon er singt. Spart sich alles vom Mund ab und überweist es an Frau und 4 Kinder im Flüchtlings-Camp im Kongo.
Esperance Mukamudenge
25 Jahre alt, Single und Lehrerin an einer anglikanischen Schule in Rubengera – still und nachdenklich, lächelnd und dann frontal nett – schwer zu sagen, wer die netteste Esperance=„Hoffnung“strägerin in Ruanda ist.
Claudine Dushimimana
22jährige Dorflehrerin in Sure im Gebirge südöstlich des Lac Kivu. Kürzer als ne deutsche Parkuhr, aber majestätisch, wie sie uns ihr Dorf und ihren Chor präsentierte! Volleyball- und Metallophon-Virtuosin, die mal so eben die Taschengriffe einer großen Djembe als Stirnband aufnahm und 40 Minuten stracks berghoch spazierte. Lebt in einer Patchwork-Familie wie viele andere auch.
Jacqueline Nyirakirundo
23 Jahre alt und eine der Verwandlungskünstlerinnen beim Klamotten-Tausch. Sie war die beste Erklärerin der Formations-Tänze im Stadion und konnte die inszenierte Sage vom Stammeskönig sehr gestenreich nachspielen.
Unser Pro“gramm“ - nur in Kilogramm zu wiegen!
22 Tage Zeit – mitten in den Ferien, nach dem Abi, in den Semesterferien, vor dem Antritt einer ZDLer-Stelle, Auslands-Diakonischem Jahr oder Bundeswehr. Da gibt es nur eins, was man mit 10 Leuten ohne Zögern machen sollte: 3 Wochen Ostafrika.
Komplettes Impfpaket nicht vergessen, Pass muss gültig sein, ein paar Hundert Euros und ein paar Hundert Megabyte Speicher sollten es schon sein.
Jede Menge Magnesiumtabletten und jeden Tag das Scheiß Ami-Lariam oder dieses neue alternative Zeug gegen Mosquitos – dabei waren wir mehr von Brechdurchfall geplagt als von Mückenschwärmen. Obwohl 30 Stiche an einem Knie ist auch kein schlechter Rekord.
Aber wir hatten uns ja verabredet, noch einmal die Freunde zu sehen, damals, als sie uns nach 4 Wochen Zusammenleben im Juni 2002 so schmählich am Brüsseler Flughafen zurück ließen...
Wir kamen im Flughafen Kanombe an, jenem DDR-chicken Betonkasten. Wir wurden überwältigend begrüßt und tanzten vor Freude – bis uns Polizei und Militär verscheuchten und Minuten später die gesamte Beleuchtung ausgeschaltet wurde.
Der Begrüßungsabend war sehr herzlich, und das lag auch daran, dass Edith, die Komitee-Vorsitzende, Aaron als Superintendent und Juvenal als Generalsekretär ein sehr harmonisches Team bildeten und uns seit Jahren kannten. Schon beim ersten Mittagessen hörten wir, dass ein Pfarrer verhaftet worden war wegen zu lauter Gottesdienstmusik. Als wir hörten, das es Basile war, waren wir noch mehr erschrocken, und wir Gitarrenleute bekamen unangenehme Gefühle. Am 3. Tag waren wir im Schulministerium, am 4. Tag in der Grundschule Mburabuturo, abends haben wir uns gegenseitig von unserer Kindheit erzählt – das war hochsensibel, denn die meisten unserer Freunde waren ja 9-15 Jahre alt beim Genozid...
Der 5. und 6. Tag, das waren die Tage mit den Workshops, und die waren zu kurz, so toll und verwirrend vielschichtig ist wohl gemeinsames Lernen in ökumenischen Partnerschaften. Aber schlapp gelacht haben wir uns bei der Brot-Kartoffel-Maniok-Konkurrenz am Tag des Besuchs in der Großbäckerei. Tag 8 hätte für alle eigentlich geheißen: Wecker stellen um 5:15 Uhr wegen Fußballtraining, aber erst nachmittags beim Gang über den rappelvollen Markt waren wir wieder komplett. Tanja wurde krank – Gottseidank nichts Schlimmes, aber schlimm ist es schon, 4 Tage ohne fließend Wasser und Strom - und dabei Brechdurchfall. Am 9. Tag waren wir in der Zentralkirche und haben uns selber predigen gehört – auf Kinyarwanda! Und nachmittags im Stadion der Tanzwettbewerb, da wären wir gerne von den Rängen herunter gerannt und hätten mitgemacht.
Der 10. Tag war der Tag mit der Fahrt zum Lac Kivu, und am Tag drauf waren wir in Rubengera, auch da Gottesdienst mit 90 Taufen und 35 Aufnahmen, und Lehrlingswerkstätten bei den Nonnen. Abends das Gespräch über den Verkauf der Abbau-Konzessionen für Gas und Coltan. Kriegen wirklich deutsche Stromgiganten da Bohrgenehmigungen – und wer verteilt die Gelder im Land? Der 12. Tag sollte dramatisch werden, wegen der Radionachrichten über das Massaker an den Banyamulenge in Burundi; massakriert in einem bewachten Flüchtlingslager von der anderen Ethnie, deren Milizen sich vorher im Kongo wochenlang „ausbilden“ ließen.
Der 13. Tag war Wassertag: Bootsbauer, Piroggenpaddeln, Schwimmen. Aus unserer Angst vor Billharziose und dem Gerücht großer Gasblasen machten wir kurzerhand lautstark die Suche nach „Billy“ im See und haben damit doch mächtig die Tagungsgäste auf der Balustrade verwirrt.
Tag 14: Musik, Pop, Diskussionen: Während wir über populare Musik redeten, hörten sich einige unsrer Freunde Korn und Slipknot als MP3 auf unsern Datensticks an...
Am 15.Tag bewegten wir uns auf relativ unbekanntem Gelände: Einem kirchlich/staatlichen Krankenhaus in der Provinz. Das Thema SIDA war doch sehr beklemmend präsent. Und dann, Tag 16. im Tagebuch: Bootsfahrt und Mittelgebirge-Walk zum Gottesdienst in Sure. Was für eine Kathedrale im Angesicht der Armut dort! Und welche Gastfreundschaft! Dann wieder ein Tag – das war Nr. 17 - in den gefährlichen Mini-Bussen über dramatische Straßenstücke – 3 Stunden für 20km bei qualmenden Radlagern der Busse. Egal: Wir haben üppig grüne Täler gesehen und ausgemergelte Bergkuppen, dazwischen immer wieder die zink-blitzenden Wellblechdächer der „Neuangesiedelten“ – weit weg von den Wasserstellen. Dann, bei der Übergabe der Hilfsmittel von unserem Krankenhaus, das Gespräch mit dem Medizinmann der EPR, Dr. Felix, und auch dabei eine Ernsthaftigkeit zum Thema SIDA, die mit dem staatlichen Optimismus nur schwer in Einklang zu bringen war.
Schon lange freuten wir uns auf den Besuch im CPAJ, denn dort hatten wir vor 3 Jahren die überwältigende Tanzgruppe der Kongo-Flüchtlinge erlebt, die wir auf unserem CD-Cover „verewigt“ haben. Aber die gab es nicht mehr, dafür bekamen wir den rasanten Wandel der Einrichtung mit – wirklich klasse, wie die konzeptionell und effizient arbeiten (und wie sinnvoll die mit Kollekten-Euros umgehen). Nachmittags gehörte unser Herz den Trommelbauern, und unsre geschwollenen Fingergelenke konnten kaum ruhig das Abend-Bier an diesem 18.Tag festhalten.
Am Mittwoch, dem 19. Tag, machten wir den Ausflug nach Kabuga, und auch dort ein irrer Ideenreichtum bei den diakonischen Projekten. Japanische Pflaumen, Seifenbrei und Avocado-Bowling – das muss man gesehen haben... Aber dann „kippte“ der Besuch in tiefste Betroffenheit und tiefste Spiritualität, als Alexis’ Vater über das Massaker in Burundi sprach. Seine Angst, sein Schlottern gab uns das Gefühl, Burundi ist hinter dem nächsten Hügel, und wir sollten abhauen aus der Gegend, bevor die Knüppel und Macheten näher kommen würden...
Blieb noch am 20. Tag der Rundum-Besuch in kleinen Werkstätten: Gitarrenbauer Methousera, Strohkarten-Alphonse, und Fleischbällchen-Evariste, bei dem wir den Verdacht hatten, der wird von einem Auftraggeber geschickt, um bei vielen Musungu Existenzgründungsdarlehen abzugreifen. Und dann, am letzten Tag, noch der Besuch im Jugendhaus, das einerseits eine Privatinitiative ist, andererseits aber eine Anlaufstelle für viele Jugendliche in der City und dabei ist, so etwas wie eine Musikschule zu werden, auch durch Schadrac, unsern alten Freund, der sich aus der EPR leider ablöste. Schon bizarr, aber völlig selbstverständlich, unsre Brett- und Kartenspiele in einem Jugendzentrum im ostafrikanischen Kigali – das sollten wirklich 8000 km von zu Hause weg sein?
Die letzten 20 Stunden waren natürlich wieder dieses Evaluations-Marathon, aber es war gut, weil wir brauchten die ganze Diplomatie nicht mehr der ersten Begegnungen, und diesmal waren wir wesentlich alltäglicher miteinander umgegangen. Und so konnten wir auch bei allen Zukunftssorgen und unklaren Konzeptionen uns gemeinsam unter die bunten Schirme stellen. Danke, ihr Freunde, ich jedenfalls hatte noch nie solche 3 Wochen!
Den Rückflug machten wir schon verdammt routiniert. Doch der Abschied wurde militärisch unterbunden – und das machte uns fast krank vor Kummer. Aus lauter Verzweiflung zapfte dann Gesine mit ihrem Laptop die Steckdose im Flughafengebäude an, um schon Mal die Foto-CDs zusammen zu stellen.
Jugendliche und ihr Verhältnis zur Politik
Politik meint: das, was alle angeht, in Ruanda ist „Politik“ aber ein Reizwort. Generell kann man sagen, dass das Verhältnis zur Politik generell nach den „schrecklichen Ereignissen“ von 1994 sehr distanziert und kritisch ist. Politik wird sofort mit Korruption, Gefahr, Scheinheiligkeit, mit etwas grundsätzlich Negativem in Verbindung gebracht. Wer in der Politik tätig ist, macht sich verdächtig, woran will er sich bereichern? Was ist sein schlimmes Geheimnis? Es geht ihm doch nur um das hohe Gehalt (welches im Vergleich zu Lehrern oder Ärzten unverständlich hoch liegt)! Was bewirkt ein Politiker schon groß für die Bevölkerung? Ein Medizinstudent erzählte mir: „Du kannst dir aussuchen, ob du einen ehrlichen Beruf ausüben willst, dann akzeptierst du „arm aber ehrlich“ zu bleiben, oder ob du in die Politik gehen gehst und alle deine Ideale wie z.B. deinen Gerechtigkeitssinn hinter dich lassen willst. Du musst korrupt werden, um in der Politik zu überleben, sie ist gefährlich. Während des Bürgerkrieg kostete es dich das Leben in der falschen Partei zu sein! Und überhaupt: in der afrikanischen Politik gibt es keine Gerechtigkeit. Sieh dir die Staatsoberhäupter an, sie sind alle korrupt. Sie lassen ihr eigenes Volk leiden und bereichern sich immer mehr, bauen Paläste und beuten die Bodenschätze aus. Ein Freund von mir hat sich für die Politik entschieden, er hat jetzt ein schönes Haus und ein eigenes Auto (das in Ruanda einen noch viel höheren Statuswert hat als bei uns, da sich der Durchschnittsbürger kein Auto leisten kann), - aber er hat uns verraten, sich selbst. Das war es ihm wert...! Nein, ich will nichts mit der Politik zutun haben, ich studiere lieber Medizin und hoffe so den Menschen wirklich helfen zu können.“
Diese Meinung spiegelt ein ziemlich verbreitetes Stimmungsbild unter den Jugendlichen und Jungen Erwachsenen in Ruanda wider.
Die Regierung unter dem neuen Staatspräsidenten Paul Kagame versucht, das Vertrauen der Bevölkerung und besonders auch der Jugendlichen zurück zu gewinnen, aber das ist sehr schwierig. Vor den Wahlen der neuen Verfassung im Mai 2003 gab es so genannte Wahlinformationsveranstaltungen an den Schulen im ganzen Land. Junge Politiker erklärten die neue Verfassung, animierten die Jugendlichen dazu, in Parteien einzutreten und sich für den neuen Staat zu engagieren. Aber das ganze System scheint vielen fremd, undurchsichtig und nicht seriös. Wieso sollen sie sich für eine Politik einsetzen, die zugelassen hat, dass ihre Eltern umgebracht wurden? Oder für eine Politik, die selbst mitbeteiligt war am Völkermord?
Viele Jugendliche sind sehr vorsichtig geworden, fühlen sich von der Politik betrogen und finden ihre Heimat eher in ihrem christlichen Glauben, welcher eine sehr große Rolle spielt. Fast jeder Jugendliche ist in einem Chor einer der vielen Kirchen und Gemeinschaften, und die Religion ist mit das Wichtigste in ihrem Leben. Nicht an Gott zu glauben ist nicht vorstellbar und die Kirche hat in vielen Bereichen mehr Einfluss als die Politik. Das liegt schon alleine an der schlechten Infrastruktur in Ruanda. Die einfachen Menschen vom Land werden mit der Politik nur, wenn überhaupt, durch das Radio in Kontakt gebracht. Viele waren noch nie in der Hauptstadt und Politik bleibt für sie schlichtweg ein Buch mit sieben Siegeln. Ein großer Anteil der Bevölkerung kann nicht lesen und selbst wenn sie es könnten: Zeitungen gibt es sowieso nicht abseits der geteerten Straßen. Die Politik Ruandas spielt sich hauptsächlich in der Hauptstadt Kigali ab – und die ist schon verwirrend genug.
An den Schulen gibt es kein Unterrichtsfach, das Politik beinhaltet und zu demokratischen Grundwerten wie Meinungsfreiheit ist es noch ein langer Weg. Es gibt wenige Menschen, die wirklich sagen, was sie denken - aus Angst. Sie vertrauen sich untereinander nicht, in ihren Köpfen spielt die Frage: Wer ist Feind und Freund? immer eine Rolle. Die Erfahrung des schrecklichen Genozids hat sie traumatisiert und die Angst, dass er noch mal ausbrechen könnte, schwingt immer noch mit. Auch die Präsidentenwahlen im Herbst 2003 waren nicht wirklich frei, in denen Paul Kagame die fast unglaubliche Mehrheit von 95 % Prozent erhielt. Die Menschen wurden beim Vollzug der Wahl kontrolliert, die Tatsache, dass hinter Paul Kagame das Militär stand, brachte ihm die nötigen Stimmen. Vor allem ist es auch immer eine Wahl der Ethnien und weniger eine Wahl des politischen Konzeptes. Es ist noch ein weiter Weg und eine große Herausforderung für Ruanda, die neue Republik zu stärken und bei den Menschen ein politisches Bewusstsein zu schaffen.
Malte Mielke, Anne Bouws, Tanja Jansen
Das Straßenkinderprojekt CPAJ der Presbyterianischen Kirche befindet sich in einem Stadtteil von Kigali namens Kicukiro. Hauptsächlich werden dort Straßenkinder und Vollwaisen ausgebildet, die zum größeren Anteil auf dem Gelände wohnen und andere, die nur tagsüber kommen. Auf dem Gelände gibt es zu diesem Zweck Schlafsäle, in denen sich ca. 36 Kinder jeweils zu zweit ein Bett teilen. Diese Schlafsäle sind in gemauerten hallenähnlichen Gebäuden; als wir vor 3 Jahren dort waren, waren das große Zelte aus Planen des UNHCR. Die Jugendlichen haben die Möglichkeit, verschiedene Ausbildungen zu absolvieren. Die Ausbildungsdauer beträgt 1 Jahr, danach wird das gelernte Wissen von den so Ausgebildeten im selben Unterrichtsfach weiter gegeben. Erst danach versuchen sie eine Arbeitsstelle außerhalb des Projekts zu finden oder sich „selbständig“ zu machen.
Es gibt eine Klasse für die Hauswirtschaftsausbildung, eine für die Nähausbildung, eine zur Ausbildung zum Friseur und eine zur Textilgestaltung. Die Ausbildungsgänge Lederverarbeitung und Pappmöbel sowie Schmiede, die wir vor 3 Jahren bestaunt haben, haben wir nicht mehr gesehen.
Die Hauswirtschaftsausbildung besteht hauptsächlich darin, dass den Kindern ein Bewusstsein für die richtige Ernährung im Alltag vermittelt wird. Sie lernen praktische Tätigkeiten wie Brotbacken und das Bereiten von alltäglichen Mahlzeiten. Die Eier zum Backen beziehen die Kinder aus dem eigenen Hühnerstall. So ist auch die Grundversorgung gewährleistet, dass jedes Kind ein Ei pro Tag bekommt und ihnen dabei auch die richtige Haltung von Hühnern beigebracht wird.
In der Nähausbildung befinden sich 56 Mädchen und Jungen, die sich jeweils zu zweit oder dritt eine Nähmaschine teilen. Dort erlernen sie den Umgang mit Stoffen, das Zuschneiden dieser, sowie das Um- und Zusammennähen. Der Lehrer malt die Schnittmuster z.B. für Schuluniformen an die Tafel, an denen sich die Jugendlichen orientieren. Die Nähmaschinen, mit denen gearbeitet wird, werden immer noch mit Muskelkraft betrieben. Sie sind russischer oder chinesischer Bauart a la „Morgenröte“.
Eine weitere Klasse beschäftigt sich mit der Friseurausbildung, die nur wenig mit Scheren fürs Haarschneiden zu tun hat, sondern mehr mit Kleber für Haarverlängerungen und mit Fetten, die der Haarglättung dienen. Diese Ausbildung entspricht einem gewachsenen Bedürfnis und stellt so einen zukunftsorientierten Beruf dar, da das Schönheitsideal im Wandel ist und immer mehr ruandische Frauen langhaarige Frisuren tragen wollen. Da aber die Theorie allein nicht reicht, werden praktische Übungen an freiwilligen Grundschulkindern vollzogen. Davon profitieren beide Seiten. Als „Straßenkinder“ verfeinern sie ihre Fertigkeiten und als „Schulkinder“ bekommen sie kostenlose Frisuren. Die ausgebildeten Friseure und Friseurinnen werden später auch in richtigen Salons beschäftigt. Eine unserer Teilnehmerin hat sich in über 9stündiger Arbeit solche Zöpfe flechten lassen – die Arbeit musste am nächsten Tag fortgesetzt werden, da am ersten Nachmittag Stromausfall war.
Der Bereich der Textilgestaltung besteht aus mehreren Lernschritten. Zuerst lernen die Kinder Buchstaben in Normschrift auf zu malen, zu lesen und auszuschneiden. Der nächste Schritt beschäftigt sich mit dem Ausstanzen der Bildmotive. Dazu benutzen sie lose Rasierklingen. Bei der Drucktechnik handelt es sich um einen Negativdruck. Bei dieser Technik werden nicht direkt Farben aufgetragen, sondern es werden Flächen bestimmt, die keine Farbe annehmen. Voraussetzung für die Teilnahme an dieser Ausbildung ist eine geringe Grundkenntnis in Lesen und Schreiben. Die Farben, die zum Druck verwendet werden, werden aus Uganda importiert. Zur Ausbildung in der Textilgestaltung gehört auch das Herstellen von Kerzen, und in einem Familienhaushalt in Ruanda sind Kerzen nicht Deko!
Die verschiedenen Ausbildungsräume liegen direkt nebeneinander in einem relativ neuen lang gestreckten Ziegelbau. Zum Abschluss bekamen wir noch eine Gesangsdarbietung, bei der wir gemerkt haben, wie stark die Jugendlichen vom alltäglichen Kampf ums Überleben als Waisen geprägt sind. Unser Antwort-Lied wurde hoch gelobt, denn es basierte auf einem ruandischen Sprichwort. Dieser Abschied fand unter einem großen Vordach vor dem Hauptgebäude statt. Neben der Eingangstür ist ein Kasten befestigt mit der Aufschrift: „Mfasha nige“ - was bedeutet: „Hilf mir zu lernen“. Dieser Briefkasten ist Tag und Nacht zugänglich, jedes ruandische Straßenkind kann seinen Namen und die Bitte nach Ausbildung sowie nach finanzieller Unterstützung dort einwerfen. Engagierte Menschen können sich bei dem Straßenkinderprojekt melden, um eins oder mehrere Kinder zu unterstützen. Hinterlassen dürfen diese Zettel alle Kinder, auch diejenigen, die (noch) nicht am Projekt teilnehmen.
Die Kinder in dem Projekt erhalten jedoch nicht nur eine Berufsausbildung, sondern erlernen auch soziale Kompetenzen. Jedes Kind ist z.B. verantwortlich für ein Kaninchen, um das es sich zu kümmern hat. Gerade für Straßenkinder ist dieses frühe Erlernen von Verantwortung sehr wichtig, um in ihnen das Gefühl wachsen zu lassen, dass sie gebraucht werden.
Wir wurden eingeladen, Trommelbauer aus Tansania, die jetzt in Kigali leben, zu besuchen. Erstmal zu den Personen: die Immigranten aus Tansania sind von der Ethnie der so genannten Banyamulenge. Das bedeutet, dass sie ruandastämmige Tutsis sind und ihre Familien bei früheren Genoziden (wie z.B. dem am Ende der 50er Jahre) nach Tansania geflohen waren und sie nach dem letzten Genozid 1994 zurückgekehrt sind. Diese Volksgruppe hat generell einen schweren Stand in Ruanda, weil sie von vielen als eingewanderte Ausländer angesehen werden. Im Nachbarland Burundi, in dem es auch Banyamulenge gibt, wurde ein Massaker in einem bewachten Flüchtlings-Camp verübt mit ca 150 Toten. Das war in der zweiten Woche unseres Besuchs und warf auch einen Schatten auf unsere Begegnung mit den Trommelbauern, da viele dort Verwandte verloren hatten. Drei von ihnen waren daher nicht dabei, als wir sie besuchten, sie waren zu Beerdigungen nach Burundi gefahren. Auch befürchteten sie eine Ausweitung des Konflikts und ein „Überschwappen“ nach Ruanda.
Mit den anwesenden fünf Tansanianern haben wir dann die für Ruanda so typischen fassähnlichen Holztrommeln gebaut. Dabei muss man sagen, dass es in Ruanda zwei verschiedene Arten von Trommeln gibt: einmal die Holztrommeln, die es in verschiedenen Größen gibt, und einmal Trommeln aus alten Ölfässern, den 159-Liter-Barrels. Beiden Arten gemeinsam ist, dass sie auf beiden Seiten Felle aus Kuhhaut haben, die mit dünnen Fellstreifen verspannt werden.
Die Holztrommeln werden nicht wie Fässer aus kleinen Scheiten zusammengeleimt, sondern aus einem Stamm, der ausgehöhlt und auf die richtige Länge gestutzt wird, hergestellt. Wie uns die Trommelbauer erklärten, erzeugt diese Bauweise auch den vollen und runden Klang dieser Trommeln.
Beim Basteln mit den primitiven, aber wirkungsvollen Metallschabern kamen wir auch auf die allgemeine Lebenssituation zu sprechen. Die Trommelbauer haben sich selbst zu einer Art Kooperative zusammengeschlossen, arbeiten also nicht für jemand anderen, sondern teilen die Gewinne untereinander auf. Die Not hat sie zusammenfinden lassen, da es in Kigali wenig Arbeitsplätze für Menschen ohne Ausbildung gibt und auch keine Landwirtschaft möglich ist. Das Trommelbauen haben sie sich mehr oder weniger gegenseitig selbst beigebracht.
Die meisten Trommeln verkaufen sie an die Souvenirläden in der Stadt, aber auch an Kirchengemeinden, die mit den Trommeln ihre Lieder begleiten. An einer Trommel verdienen sie zwischen 3 und 10 Euro, je nach Größe. Das bedeutet aber auch, dass jeder von ihnen 10-15 Trommeln pro Monat verkaufen muss, um 50 Euro zu verdienen, was in etwa dem Gehalt eines Nachtwächters entspricht. Das reicht aber in Kigali mittlerweile nicht mehr aus, um eine Familie zu versorgen. Deshalb arbeiten alle auch noch zusätzlich als Nachtwächter oder Autowäscher; denn die Konkurrenz ist groß - sowohl im Trommelbau als auch bei den anderen Jobs.
FESPAD - ein Einblick in die Kultur Afrikas
Eine besonderer Einblick in die Kultur Afrikas war der Besuch der Eröffnungsfeier des „FESPAD“ im Nationalstadion von Ruanda, dem „Stade Amahoro“. FESPAD ist ein Tanzfestival, bei dem Gruppen aus Ruanda, Burundi, Uganda, Tanzania, Kenya, Lybien, Djibouti, Madagaskar, Südafrika, Kamerun, Niger und Burkina Faso teilnehmen. Die Eröffnungsfeier war geprägt von bunten Kostümen, beeindruckenden Tanzeinlagen und traditioneller Afrikanischer Musik. In vielen Tänzen wurden Situationen aus dem Alltag dargestellt: der Ackerbau, das Waschen der Wäsche oder das Werben eines Bräutigams um seine Braut. Es war unglaublich beeindruckend, trotz großem Abstand und vieler Akteure die tänzerische Artistik zu sehen und die Freude der jeweiligen Inszenierung zu spüren. Das Zusammenspiel von „Waffen“, Trommeln und den einzelnen Gruppen der Tänzer war toll, und vom Publikum gab es für besondere Formationen sogar Szenenapplaus. Wunderschön anzusehen war auch die aus Tänzern gebildete Karte Afrikas. Es war eine Choreographie, wie man sie von den Eröffnungsfeiern olympischer Spiele kennt. Unsere Gastgeber konnten uns sehr viel zu den einzelnen Tänzen erzählen und uns die Tradition erklären. Der hohe Stellenwert des Festivals lässt sich neben dem Veranstaltungsort auch daran erkennen, dass die Eröffnungsrede vom Staatspräsidenten Paul Kagame gehalten wurde. Er hielt sie auf Englisch und sie wurde nicht ins Französische übersetzt, was unsre Gastgeber damit begründeten, dass Kagame versucht, Ruanda stärker in ein englischsprachiges Land umzuwandeln. Auch eine Vertreterin der Afrikanischen Union hielt eine Rede, in der sie daran erinnerte, wie stark Afrika war und sein wird, wenn die Länder zusammen halten und sie ihre Stärken bündeln. Eine dieser Stärken, so sagte sie, liegt in der gemeinsamen Tradition und in der Kultur. Nach dem Besuch dieses Festivals kann ich diese Ansicht voll unterstützen. Dass in Ruanda die Uhren noch etwas anders gehen, zeigte sich jedoch bei dem Versuch, das Stadion kurz vor Ende der Veranstaltung zu verlassen. Bewaffnete Soldaten versperrten alle Tore, da niemand das Stadion verlassen darf, solange der Präsident noch anwesend sei.
In der Woche vorher wohnten wir gemeinsam im Gästehaus Isano mit der lauten und fröhlichen ruandischen „Nationalmannschaft“, und am Montag danach fuhr der Darsteller des historischen Großkönigs Ruandas auf dem Moped in Isano vor. Leider waren wir nicht in der Lage, ihn gebührend zu umtanzen, aber dennoch war der Besuch des Tanzfestivals rundum beeindruckend.
Zur Vorbereitung unseres Workshops „Notenlesen“ sammelten wir unter Bekannten in der Nachbarschaft Metallophone (Glockenspiele), da uns diese als Instrumente zum intuitiven Erlernen am besten geeignet erschienen. Die Verwendung der Metallophone war ein elementarer Bestandteil unseres Lernkonzepts, da wir planten, ein Stück auf den Metallophonen nach Noten zu erlernen. Auftrag und Ziel war also, den Workshopteilnehmern das internationale Notensystem nahe zu bringen. So unterteilten wir das System in unterschiedliche Aspekte, die da wären: Notennamen, Notenwerte, Takteinteilung, Schreibweise und Rhythmus. Als anschauliche Übung erstellten wir vorab Liedblätter mit kurzen und einfachen Stücken. Die einzelnen Fachbegriffe sachgemäß zu übersetzen, stellte uns vor ein großes Problem.
Unsere ruandischen Freunde wurden in die Workshops eingeteilt, die ihren Interessen entsprachen und die ihrer Funktion im Chor von Nutzen sein könnten.
In unserem Workshop waren Esperance Mukamudenge, Alexis Muyoboke und Jaqueline Nyirakirundo. Da in unserer Unterkunft Isano kein Raum mehr zur Verfügung stand, trafen wir uns als Workshop in einem der Pavillone auf dem Außengelände.
Geplant war es, mit unsern Freunden den Lernstoff gemeinsam zu erarbeiten, um ihn dann gemeinsam später für die Tagesgäste zu vermitteln. Für die praktischen Übungen bekam jeder ein Metallophon geschenkt. Beim Erlernen des Notenlesens ergab sich für uns ein vorher nicht bedachtes Problem: Die unterschiedlichen Lernarten zwischen uns und ihnen machten es uns schwer, nach den Methoden, die wir uns zuvor erdacht hatten, zu unterrichten. Die Zeit war eindeutig zu kurz, um annährend das Thema zu erfassen. So war es uns auch nicht möglich, unseren Freunden alles genau zu vermitteln, weshalb wir zu diesem Zeitpunkt auch schon ahnten, dass die Idee, die Freunde als gleichberechtigte „Lehrer“ einzusetzen, so nicht umzusetzen sein wird.
Dann kamen die Tagesteilnehmer zu uns. Die anfängliche Zurückhaltung ließ schnell nach, nicht zuletzt durch lockeres Kennenlernen. Schnell stellte sich heraus, dass Violette, eine der Tagesgäste, schon Erfahrung auf diesem Gebiet hatte.
Wir begannen, unser Thema theoretisch darzulegen. Die Teilnehmer zeigten hierbei reges Interesse und beteiligten sich begeistert. Wir teilten die restlichen Metallophone aus. Das praktische Lernziel bestand jetzt darin, mit den anderen Workshops das Lied „Don`t build your house“ einzuspielen und später vom Kassetten-Workshop aufnehmen zu lassen. Vorerst jedoch begannen wir, einfache Stücke wortwörtlich bis zur Ermüdung zu üben.
Dann widmeten wir uns dem Lied „Don`t build your house“ und probten es. Da wir vermuteten, dies könne mit der Zeit langweilig werden, schlugen wir Musungu vor, auch eigene Kompositionen zu erfinden – und zu schreiben. Diesen Vorschlag lehnten unsere Freunde aber ab, da sie weiter üben wollten, um das Lied perfekt spielen zu können.
Dann trafen wir uns mit den anderen Workshops, weil wir für die Aufnahme das Zusammenspiel koordinieren wollten. So teilten wir einige Takte ein, in denen z.B. nur die Gitarren spielen oder nur der Sonorisations-Workshop singt oder nur die Metallophon gespielt werden sollten. Zuerst war alles ein heilloses Durcheinander, doch nach den ersten Festlegungen legte sich dies schnell. Schließlich fuhren wir alle mit unseren Instrumenten zum Kassetten-Workshop, der aus Platzgründen im Kirchenzentrum Kiyovu arbeitete.
Justin, ein Freund von uns und gleichzeitig ein Teilnehmer des Workshops, leitete die ganze Angelegenheit. Wir und die anderen Workshops formierten uns um die Mikrophone. Nach einigen Probedurchläufen war das Lied fast fehlerfrei aufgenommen.
Die Aufnahme bildete den Abschluss und gab uns das Gefühl, dass wir die Ziele ungefähr erreicht hatten. In der Auswertung überraschten uns einige, als sie erzählten, sie konnten schon eine Melodie erfinden und sie am nächsten Tag zu ihrem eigenen Erstaunen wiederholen – so z.B. Claudine, die ja eine Dorflehrerin in der Provinz ist.
Besuch bei einer Bauernfamilie in Ruyumba
Die meisten Menschen in Ruanda, die außerhalb der größeren Städte wohnen, sind in der Landwirtschaft tätig. Dort meistens auf kleinen Familienhöfen, überhaupt nicht vergleichbar mit den technisierten landwirtschaftlichen Groß- und Kleinbetrieben in unseren Breitengraden.
Wir waren zu Besuch bei Bauer Joseph und Familie in Ruyumba. Ruyumba liegt etwa eineinhalb Autostunden südlich der Hauptstadt Kigali. Um von der Ortsmitte, also der Kirche, zu seinem Hof zu gelangen, mussten wir ca. 20 Minuten zu Fuß auf einem kleinen Trampelpfad zum nächsten Hügel laufen. Das bedeutet auch, dass nicht nur das Geld für landwirtschaftliche Maschinen fehlt, sondern auch gar keine Strasse zu dem Hof führt, auf dem diese fahren könnten.
Der Hof selber besteht aus einem ca.100m2 großen eingefriedeten Bereich mit einem kleinen Haus aus Ziegelsteinen, einem kleinen Innenhof und einem hölzernen Unterstand für die zwei Kühe und das Kalb. Dazu gehört noch ein Feld mit ca. 25 Bananenbäumen und ein paar Kaffee- und Maniokpflanzen.
Wie viele von den Ruandern, die uns dort begrüßt haben, zur Familie gehörten, und damit vom Ertrag des Hofes abhängig sind, war nur schwer herauszufinden. Ich würde schätzen, dass es mindestens 10 sind, da Josephs eigene Familie mit Frau, Kindern und angenommenen Kindern schon 7 Mitglieder umfasst.
Das tägliche Leben wird sehr stark vom Kampf ums Überleben geprägt. Die Zeit unseres Besuches fiel auf das Ende der Trockenzeit, wo kaum noch eine Bananenstaude an einem Baum hängt, und die Felder nur staubige Lehmflächen sind. Die Auswirkungen waren allen anzusehen: die Kinder hatten einen leicht aufgeblähten Unterernährungsbauch, die Erwachsenen waren sehr abgemagert und auch die Kühe sehr „schlank“.
Denn anders für die Höfe, die an einem Fluss oder See liegen, gibt es kein Bewässerungssystem, und Wasser gibt es nur aus einem ca. 10 Fußminuten entferntem Rohr, aus dem vermutlich Grundwasser fließt.
Bei einem Marktbesuch wurde uns gesagt, dass alle Bananen auf diesem Markt aus dem Kongo kämen, da die ruandischen Bananen aufgebraucht seien. Das bedeutet für eine Familie wie die von Joseph, dass sie von dem Geld, das sie vom Verkauf ihrer Ernte - als es noch was zu ernten gab - die Zeit bis zum Beginn der Regenzeit überbrücken muss.
Die Arbeit auf dem Hof ist hart und anstrengend, da es keinerlei Maschinen gibt. Alles wird mit der Hand gemacht, oder wie z.B. das Pflügen mit der Kraft der Kühe. Man fühlt sich als Westdeutscher angesichts vieler Belange um ein Jahrhundert zurückversetzt.
Alle müssen mithelfen. So sind z.B. die zwei 11 und 13 Jahre alten Jungen, die Joseph in seine Familie aufgenommen hat, weil ihre Eltern im Genozid 1994 ums Leben gekommen sind, eingeteilt, tagsüber die Kühe zu hüten. Das bedeutet konkret, dass sie während dieser Zeit nicht zur Schule gehen können. Von Josephs Familie geht nur die älteste Tochter regelmäßig zur Schule. Das hat leider schon Tradition, denn auch Joseph ist nicht viel zur Schule gegangen. Das heißt nicht, dass er den Schulbesuch seiner Kinder nicht für sinnvoll hält, aber es ist kein Geld da, um die Schule zu bezahlen. Und die Arbeit der Kinder wird zum Überleben der Familie gebraucht.
Der Eindruck, der bleibt, ist die tiefe Bewunderung für das Bewältigen einer uns teilweise als Jahrhunderte alt anmutenden Lebensweise, aus der es kaum einen Fortschritt oder Ausweg zu geben scheint. Denn wenn sie auch so arm leben, wissen sie doch, dass es auch Menschen gibt, die in großem Luxus leben.
Samstags um 6 Uhr? Na klar: Fußballtraining!
Behrend Heeren, Sebastian Obst
Man kann sagen, dass Fußball in Ruanda ebenso verbreitet und beliebt ist wie in Mitteleuropa. Als ausländischer Reisender wird man fast überall, jedoch auf sehr unterschiedliche Art, mit Fußball konfrontiert. Dabei ist an vielen Stellen der europäische Einfluss unübersehbar. Zeitgleich zur Europameisterschaft 8000 Kilometer entfernt, sammelt in Ruanda fast jeder zweite Junge Sticker von Stars dieser EM. Spieler wie David Beckham oder Zinedine Zidane sind gleichermaßen bekannt und beliebt. Es ist schon amüsant, von einem kleinen Jungen in Ostafrika gefragt zu werden, ob man Michael Ballack oder Oliver Kahn kennt. Antwort auf beiden Seiten: zustimmendes Lachen. Die Spiele der Europameisterschaft 2004 wie auch französische Meisterschaftsspiele oder europäische Spitzenspiele werden über Satellitenfernsehen übertragen. Auf dem Lande gibt es nur wenige Dorfkneipen, die vor ihrem Lokal ein TV aufgestellt haben – also stundenlange Fußmärsche! Sogar einzelne deutsche Vereine sind bekannt und können voneinander abgegrenzt werden!
Jedoch ist der Fußball, der auf den Bildschirmen zu sehen ist, ein vollkommen anderer, als der, den man auf den Straßen und Plätzen Kigalis und Ruandas spielt. Ohne Fußballschuhe, Stutzen oder gar einem Fußball aus Leder versucht man den Idolen nachzueifern. Dabei ist vor allem beim Finden bzw. Herstellen eines Balles Improvisation gefragt. Der klassische ruandische Straßenfußball besteht nämlich aus Mülltüten, die zu einem Knäuel zusammen gepresst und mit Schnüren in Form gehalten werden und somit kann der Ball alle möglichen Formen und Größen annehmen. Wichtiger Vorteil: wenn ein unvorsichtiger Taxifahrer mal wieder die Bremse nicht gefunden und den Ball überfahren hat, ist die Reparatur schnell erledigt. Beim Finden eines geeigneten Platzes zum Spielen ist man in Ruanda ebenso bescheiden wie bei der Ballbeschaffung. Gespielt wird fast überall: mal dienen zwei Steine am Straßenrand als Tor, mal spielt man sich den Ball einfach auf der Straße hin und her. Ein Sammelpunkt für Fußballbegeisterte sind natürlich die wenigen öffentlichen Plätze, die meistens zu Schulen gehören. Wenn die größte Hitze des Tages vorüber ist, sammeln sich auf den steinigen Sandplätzen große Gruppen meist jüngeren Alters. Manchmal kommt es zu einem großen gemeinsamen Spiel über den ganzen Platz, meistens gibt es jedoch mehrere Kleingruppen, die zeitgleich auf dem Platz verteilt unter sich spielen.
Doch nicht nur in der Hauptstadt ist Fußball präsent: dem Reisenden bieten sich oft erstaunliche Bilder, wenn er selbst in kleinsten Bergdörfern Rasenfußballplätze von beachtlicher Größe vorfindet, die sich allerdings die Kühe als Weideland (und Toilette) und die Hirtenjungen als Spielfläche teilen. Auch in den Dorfschulen ist Fußball das Pausenspiel Nummer eins.
All diese verschiedenartigen Eindrücke des Fußballs in Ruanda machten uns sehr neugierig auf unsere Begegnung mit der Hobbymannschaft der EPR. Den Gründer und Chef der Mannschaft, Pfarrer Valence, trafen wir schon vorab nach einem Gottesdienst. Als er hörte, dass wir uns für seine Mannschaft interessieren, war er sehr erfreut und nahm sich Zeit, mit uns zu reden. Er erzählte, dass die Kirche auch einen Teil dazu beitragen will, dass nach dem Völkermord von 1994 die Einheit auch gerade unter den Jugendlichen in Ruanda wächst und gefördert wird. Da Fußball als Mannschaftssport verbindet und sehr beliebt bei den Jugendlichen ist, gründete Pfarrer Valence vor einigen Jahren das Team „EPR Kiyovu“. Dieses Team bietet fußballbegeisterten Jugendlichen die Chance, zusammen Sport zu treiben, sich auszutauschen und Freundschaften zu schließen. Jeder, der gerne Fußball spielt, kann an jedem Samstag um 6:00 Uhr morgens (!!!) auf den Fußballplatz einer weiterführenden Schule in Kigali kommen. In dem ca. 30 Mann starken Kader befinden sich sowohl Mitglieder der EPR, als auch Mitglieder anderer christlicher Kirchen und sogar ein Moslem. Die meisten von ihnen sind Hobby-Kicker, zwei Spieler stehen bei einem anderen Verein sogar unter Vertrag, der sogar in der ersten Liga Ruandas spielt. Neben dem Training am Samstag gibt es in regelmäßigen Abständen auch Spiele gegen andere Gemeinden, die auch eine Fußballmannschaft haben. Diese Spiele haben jedoch nicht nur sportlichen Charakter. Da es christliche Mannschaften sind, wird vor und nach dem Spiel gemeinsam gesungen und gebetet und als Abschluss zusammen gegessen. Da diese Spiele bei Spielern und Zuschauern sehr beliebt sind, stehen immer ausführliche Berichte über die letzten Spiele in der Kirchenzeitung der EPR. Jedoch bekommt das Team immer noch nicht so viel finanzielle Unterstützung, wie es sich Pfarrer Valence wünschen würde. Das liegt einerseits natürlich daran, dass das Budget der Kirche insgesamt nicht so groß ist, aber auch andererseits daran, dass Fußball als Jugendarbeit allgemein noch keinen allzu großen Stellenwert hat. Dementsprechend hat das Team „EPR Kiyovu“ nur einen einzigen Spielball und die Trikots müssen sie sich bei Freunden oder einem anderen Verein leihen.
Natürlich ließen wir es uns nicht nehmen, einmal selbst beim Training der Mannschaft dabei zu sein. Um kurz nach 6:00 Uhr fuhren wir mit dem Taxi (!) zum nahe gelegenen Fußballplatz, auf dem sich die Mannschaft bereits aufwärmte. Dabei machten sie die gleichen Lauf- und Gymnastikübungen wie Jugendmannschaften in Deutschland. Beim anschließenden Trainingsspiel auf großem Feld wurden jedoch schnell Unterschiede gegenüber dem deutschen Fußball deutlich: die Ballführung und die Spielzüge sind wenig hoch und selten weit, dafür wird schnell, flach und kurz gespielt.
Nach den ersten 45 Minuten rief der Trainer die Mannschaft zusammen. Bevor die Seiten gewechselt wurden, gab er Verbesserungstipps, stimmte ein Lied an und sprach ein Gebet. Um Punkt 8:00 Uhr wurde das Training dann mit Gesang und Gebet beendet, da sich bereits die nächste Mannschaft am Spielfeldrand aufwärmte.
In der „Ecole Primaire de Mburabuturo“
Die Grundschule „Ecole Primaire de Mburabuturo“ liegt etwas abseits vom Stadtkern Kigalis an einem Hang zwischen einer neu gebauten Kirche und einem großen Fußballplatz. Den Hang hinunter befinden sich ärmere Siedlungen, die überwiegend aus Lehm- und Wellblechhüten bestehen, den Hang hinauf fängt ein streng bewachtes Villenviertel an, welches aber nicht mehr zum Einzugsgebiet der Schule gehört.
Die Grundschule entspricht dem typischen ruandischen Baustil von Schulgebäuden und besteht also aus mehreren lang gezogenen einstöckigen Bauten, in denen Klassen und Lehrerzimmer untergebracht sind. Zwischen den Gebäuden und um die Gebäude herum befindet sich auf staubiger Erde der Schulhof. Kein Baum, kein Schatten.
Unser Besuch in der Grundschule, welche zwar eine kirchliche Trägerschaft besitzt, aber auch staatlich unterstützt wird, fing mit dem Besuch im Büro des Direktors an. Dort hatten wir die Möglichkeit, ihm einige Fragen zu stellen. Vor der Tür des Büros drängelten sich Dutzende Jungen und Mädchen in Schuluniform, um den ungewöhnlichen Besuch von so viel „Musungu“, also Weißen nicht zu verpassen. Die Mädchen trugen einheitlich blaue Kleider, die Jungen beigefarbene Hosen und Hemden.
Die Grundschulzeit in Ruanda beträgt sechs Jahre. Bei der Gründung dieser „Ecole Primaire de Mburabuturo“ im Jahre 1968 fingen 200 Schüler und Schülerinnen in 6 Klassen an. Aufgrund der stetig steigenden Bevölkerungszahl Kigalis erhöhte sich die Zahl der Schüler bis heute auf 1400 Kinder, die auf 28 Klassen aufgeteilt sind. Jeder Klasse ist ein Klassenlehrer zugeordnet, der alle Fächer unterrichtet. Um Grundschullehrer zu werden, muss man in Ruanda kein Studium absolviert haben, sondern lediglich einen Sekundarschulabschluss vorweisen können. Der Lehrplan ist wie bei uns in Deutschland vom Schulministerium festgelegt. Dementsprechend lernen die Schüler z.B. in der ersten Klasse schwerpunktmäßig Lesen und Schreiben, in den weiteren Jahren kommt dann Französisch und seit 2003 auch Englisch als weitere Fremdsprache hinzu. Sonstige Fächer vom 1. bis zum 6. Schuljahr sind Religion, Mathematik, Technik, Sport und seit dem Bürgerkrieg auch Naturwissenschaften. Ein absolut neues Fach ist Informatik, was aber aufgrund fehlender Räume und zu weniger Computer noch in den Startlöchern verharrt.
Vom 1. bis zum 3. Schuljahr dauert eine Schulstunde 35 Minuten, im 4. wird die Dauer auf 50 Minuten erhöht. Es gibt zwar einen groben Wochenplan, aber letztendlich entscheidet der Klassenlehrer selbst, welches Fach er gerade an diesem Tag und wie lange er es unterrichten möchte.
An einem normalen Schultag beginnt der Unterricht um 7:30 Uhr. Zwischen 9:45 und 10:00 Uhr gibt es eine kurze Pause. Um 12:00 Uhr gibt es die Mittagspause, in der alle Kinder zum Essen nach Hause gehen. Da alle Kinder in der unmittelbaren Umgebung wohnen, beginnt der Nachmittagsunterricht schon wieder um 14:00 Uhr. Nachmittags geht der Unterricht bis 16:45 Uhr, wobei um 15:00 Uhr eine 15-minütige Pause stattfindet.
Ein allgemeines Problem für Kinder in Ruanda ist das Schulgeld, welches in dieser Grundschule 2500 ruandische Francs pro Trimester beträgt. Das entspricht ca. 3,60 €. Für uns ist es schwer vorstellbar, dass dieser Betrag ein Problem darstellen kann. Da aber selbst ein Lehrer nur 60 Dollar im Monat verdient (und wir hörten auch von deutlich geringeren Monatsgehältern), kann man sich vorstellen, wie schwierig es für ärmere Familien mit meist vielen Kindern ist, diese Summe aufzubringen. Jedoch gibt es in der Schule ein Komitee, das auf Antrag ärmere Kinder und Waisenkinder vom Schulgeld befreit, wobei der Direktor uns nicht sagen wollte, wie viele Anträge durchschnittlich abgelehnt werden. Angenommene Anträge sind wahrscheinlich eher selten. Zum Schulgeld kommt für die Eltern noch die Anschaffung der Schuluniform und des Unterrichtsmaterials hinzu. Dadurch entsteht ein sichtbarer Unterschied: ärmere Kinder haben in ihrer Plastiktüte nur ein Heft und einen Stift, andere besitzen mehrere Bücher und Hefte. Aber auch hier hilft die Schule in Einzelfällen, wobei sie das Arbeitsmaterial der Lehrer komplett aufbringt. Das Gehalt der Lehrer wird hingegen vom Staat bezahlt.
Dadurch, dass Schule so teuer ist, sind in einer Klasse nie alle Schüler gleich alt, da einige von ihnen zwischendurch aufgrund von Geldmangel pausieren. Dennoch gibt es eine Mindestanzahl an Schülern pro Klasse: vom 1. bis zum 3. Schuljahr sind 55-60 Schüler Pflicht. Diese hohe Zahl erschwert natürlich erheblich den Unterrichts- und Lernprozess. Vom 4. bis zum 6. Schuljahr reduziert sich die Mindestzahl auf 45-50 Schüler, was immer noch sehr viele sind.
Nach jedem Trimester gibt es in jedem Fach ein Examen zu bestehen. Dieses Examen macht 50% der Gesamtnote aus. Die anderen 50% kommen durch monatliche Klausuren und Hausaufgaben zu Stande. In den ersten Schuljahren gibt es zusätzliche mündliche Abfragen in den verschiedenen Sprachen. Anders als in Deutschland zählt aber keine mündliche Mitarbeit bei der Zensur mit.
Als wir das Büro des Direktors verließen, waren die Schüler schon wieder in ihren Klassen, da der Unterricht inzwischen wieder begonnen hatte. Wir ließen uns die Gelegenheit nicht nehmen, eine Klassenraum mal von innen zu sehen und die Schüler beim Unterricht zu erleben. Die Überraschung war groß, als wir den ersten Raum betraten. Offensichtlich war die Lehrerin nicht auf unseren Besuch vorbereitet, so dass sie schnell versuchte, den dünnen Schlagstock unter einer Schulbank zu verstecken. In der Klasse saßen ca. 40 Kinder auf langen Holzbänken - wie in deutschen Schulen vor 50 Jahren. Die Tafel war unterteilt in mehrere Felder, wobei in jedem Feld das Tafelbild eines anderen Fachs zu sehen war: in einem war der Verdauungstrakt des Menschen gezeichnet, daneben standen Grammatikübungen, darunter war die Karte von Afrika zu sehen.
Die Schüler freuten sich sehr, als wir mit ihnen ein englisches Lied sangen und den Text an die Tafel schrieben. Zum Abschluss äußerte der Schulleiter den Wunsch, eine Partnerschule in Deutschland zu bekommen. Wir versprachen ihm unsere Hilfe und verabschiedeten uns.
Schon von weitem konnten wir die „nagelneu“ zu Wasser gelassenen Piroggen der Bootsbauer am Ufer des Kivusees ausmachen. Es war Markttag in Kibuye, und wir konnten viele Piroggen bestaunen, von denen Bananenstauden entladen wurden.
Wir fragten sogleich die Ansammlung von umstehenden Leuten nach dem Bootsbauer, und sie geleiteten uns einige Hundert Meter am Ufer entlang zu einer lang gestreckten Halle und der Werkstatt unter freiem Himmel. Nach einigen Minuten kam der Chef, der seine Arbeit auf dem Markt für unseren Besuch unterbrach. Als er bei uns eintraf, begannen wir auch gleich mit unserem Interview.
Zunächst erzählte er uns, aus welchen Materialien die Last-Piroggen gebaut werden. Aus einer bestimmten Baumsorte werden einzelne lange und starke Bretter in mehreren Meter Länge herausgearbeitet. Diese werden zusammen genagelt und aneinander geklammert. In die Zwischenräume wird nun Kuhfett gegeben. Dies dient einerseits zum Abdichten, sowie zur Befestigung der Baumwolle, die ebenfalls die Zwischenräume ausfüllt und der Abdichtung dient. Das Holz des Bootes wird zur Pflege mit Palmöl eingefettet.
Als wir nach der Methode fragten, wie die langen Holzbretter gebogen werden können und in Form bleiben ohne zu brechen, sagte er uns, dass sie dafür spezielles Werkzeug verwenden, es aber mit handwerklichem Wissen und Können zu tun habe. Mit einem Lächeln auf den Lippen gab man uns zu verstehen, dass er uns dies Geheimnis nicht verraten würde, aus Angst vor der Konkurrenz. Immerhin konnte er ein paar Tage zuvor ein großes Boot verkaufen, das im Lac Muhazi in einem anderen Landesteil eingesetzt wird. Die Größe sowie die Anordnung von Sitzplätzen und Stauraum bestimmt der Auftraggeber. Ebenso die farbliche Aufmachung bzw. die Schriftzüge. So kommt es zu sehr unterschiedlichen Piroggen.
Eine spezielle Bauform haben diejenigen Piroggen, die im 3er-Verbund nachts fischen. Sie gehören aber eigentlich zum Typ „Einbaum“. Diese kleinen Boote werden fast ausschließlich zum Fischen oder „Einkaufen“ gebraucht, die großen unter anderem für den Transport von Waren und Nahrungsmitteln oder als Fähren für größere Personengruppen.
Ein deutlicher Qualitätsunterschied lässt sich daran festmachen, dass einige wenige Boote motorbetrieben sind. Überwiegend werden jedoch Holzruder verwendet.
Vom Auftrieb her kann das Gesamtgewicht einer Last-Pirogge bis zu fünf Tonnen betragen, wobei die Konstruktion der Ladefläche so schwere Lasten oft nicht „ertragen“ kann.
Für die gesamte Herstellung, von der Materialbeschaffung über die Holzbearbeitung bis letztlich zur Fertigstellung, arbeiten drei Personen zehn Tage lang an einer kleinen Einbaum-Pirogge. Im Vergleich dazu ist die Herstellung einer großen aufwendiger und dauert folglich über mehrere Wochen bei gleicher Arbeiterzahl.
Eine kleine Pirogge ist für ca. 20 $ zu haben, also ungefähr einem halben Monatsgehalt, eine große Last-Pirogge kostet 600.000 RFr, was knapp 900 € entspricht. Bei normaler Beanspruchung und Pflege kann ein kleines Boot bis zu drei Jahre benutzt werden. Während unseres Interviews bildete sich eine Menschentraube um uns, was eventuell die Begründung für die Geheimniskrämerei des Bootsbauers gewesen sein könnte. Schließlich verdienen er und seine Mitarbeiter damit ihren Lebensunterhalt, sie versorgen ihre Familien dadurch und fürchten deshalb Konkurrenz.
Getrennte oder geteilte PopKultur?
Die Reise nach Rwanda war für uns, neben den emotionalen und theologischen Erfahrungen, auch immer ein Besiegen und Wegpacken von Vorurteilen. Wir waren verblüfft durch die sehr starken Gegensätze von Arm und Reich, die deutlich wurden durch unheimlich beeindruckende Prachtvillen und den nur einen Steinwurf entfernten Slums. Direkt neben dem Straßenkinderprojekt die hochgesicherte Villa des Notenbank-Chefs – nur ein Beispiel.
Durch Ruander, die wir vorher kennen gelernt hatten, und durch Deutsche, die Auslandseinsätze dort machen, bekamen wir einen Eindruck, wie sich Jugendliche in Rwanda amüsieren, ja wie das ''Nachtleben'' in Kigali aussieht. Unsere Freunde aus der ersten Begegnung nahmen uns mit, und die erstaunlich vielen Handies sowie die großen Jeeps der “Neureichen“ halfen uns, innerhalb weniger Viertelstunden uns zu verabreden.
Man muss im Vorfeld sagen, dass sich das Nachtleben - so wie wir es kennen lernten - nur auf die Leute beschränkt, die das entsprechende Kleingeld haben, also war zum Beispiel die Landbevölkerung völlig davon ausgeschlossen.
Wir bekamen Kontakt zu weitläufigen Freunden und Verwandten, die für uns sehr verwunderlich sehr große Ähnlichkeit mit den europäischen Partygängern hatten, also sehr gut gekleidet waren, rauchten, sehr spendabel waren und sehr gutes Englisch sprachen. So machten wir uns auf, das Nachtleben von Kigali zu untersuchen. Unsere Erwartungen waren skeptisch, weil - wie sollte man sich vorstellen, dass es in Afrika so zugehen könnte wie in Europa.
Zuerst besuchten wir einen Club, in dem eine Art Karaoke-Show stattfand. Junge Männer und Frauen gaben ihr gesangliches Talent zu amerikanischen Rhythm & Blues und afrikanisch angehauchtem Techno zum Besten. Der erste Eindruck war bombastisch. Sehr viele rwandische Frauen, die sehr offenherzig in ihrem Kleidungsstil waren, ließen uns staunen. Natürlich auch ihre Attraktivität, aber eben auch der tabufreie Umgang mit Alkohol, Zigaretten und Tanz.
Von dieser Seite haben wir Rwanda noch nicht gesehen. Es war übrigens auch der erste Abend, an dem wir als Musungu nicht in einer besonderen Form behandelt wurden. Im Nachtleben waren wir kein besonderes Ereignis.
Nach dieser Erfahrung begaben wir uns in eine richtige Diskothek. Hier war zu unserem Erstaunen die absolute Flirt-Szene – was uns ganz schön in Verlegenheit bringen konnte. Wir tanzten auf Beats von den Sugababes, TLC und Destiny's Child.
Da fast jeder Besucher der Diskothek Englisch beherrschte, fiel die Kommunikation sehr leicht und wir konnten einige Sachen über die rwandische Musik-Szene erfahren. So gibt es auch in Rwanda „landeseigene“ Popstars wie z.B. die Rapgruppe ''Bad Boyz''. Sie füllen wie westliche Bands ganze Fußballstadien, wobei in den Provinzstädten die Stadien etwas kleiner sind. Und für eine Eintrittskarte ist fast das Monatsgehalt eines Lehrers zu berappen, was ca 30 Euro entspricht! Beeindruckt und wieder um einiges schlauer verließen wir sehr spät die Diskothek.
Der Gegensatz zwischen arm und reich ist in Rwanda genauso erstaunlich wie der Unterschied zwischen den moralisch strengen Christen und dem Nachtleben Kigalis. Die dortige High Society geht teilweise sehr unterschiedlich mit dem Glauben um. Ich unterhielt mich mit einem jungen Erwachsenen in der Disko der mir erzählte: ,,Ja ich glaube an Gott. Ich bin ihm für vieles dankbar.'' Und auf die Frage nach seinem Tabak und Alkoholgenuss sagte er: „Gott hat auch den Tabak und das Bier erschaffen.'' - Gleichzeitig beachteten wir die Regel, in den Gästehäusern kein Bier zu trinken....
Hierzulande stellt man sich nicht die Frage: Darf ich trinken und rauchen, wenn ich zur Kirche gehe und an Gott glauben will. In Rwanda gibt es dazu jedoch strenge gesellschaftliche Meinungen. So haben wir uns beim Zigarettengenuss auch schon mal ''versteckt'', um den Blicken unserer Freunde zu entgehen. Migration, SIDA- und Genozid-Erfahrungen lassen es für die Kirche ratsam sein, verbindliche Standrads durchzuziehen, aber in der Großstadt - so haben wir festgestellt - gestalten westliche Standards, zunehmender Reichtum und zunehmende Massenkommunikation stärker das Freizeit-Verhalten. Die Chefsekretärin der EPR hatte sich ein paar Tage zuvor mit 3 anderen von einer 7köpfigen Austausch-Delegation in Schweden abgesetzt...
Rwanda ist ein Land, in dem man extrem viel lernen kann. Man versteht einen Aspekt des Landes und entdeckt direkt wieder zehn Neue, die man erforschen will.
Aids/Sida – der Besuch des Krankenhauses in Kirinda
Im Jahr 1959 wurde das Krankenhaus Kirinda von belgischen Missionaren errichtet. Nach der Kirche war das Krankenhaus das zweite Gebäude, das sie errichteten. Später haben sich daraus die Kleinstädte Sheymbe und Kirinda entwickelt, die ungefähr „nur“ 20 Fußminuten auseinander liegen.
Im Krankenhaus arbeiten 3 Ärzte und 25 Krankenschwestern sowie das Personal in Verwaltung, Fahrdienst, Haus- und Außenbereich. Insgesamt sind somit am Krankenhaus 68 Personen beschäftigt.
Die Finanzierung des Krankenhauses sieht folgendermaßen aus: Die Missionare haben damals das Krankenhaus für ihre Kirche gebaut, die es in den ersten Jahrzehnten auch allein getragen hat. Heute steht es in gemeinsamer kirchlicher und staatlicher Trägerschaft. Die Gehälter der Ärzte und Krankenschwestern z.B. werden vom Staat bezahlt, das Personal der Verwaltung von der Kirche.
Auch das Gesundheitsprogramm wird von beiden erstellt. Insgesamt besitzen das Krankenhaus 133 Betten, die sich auf die 6 unterschiedlichen Abteilungen und Gebäude aufteilen:
Pediatrie (Kinderstation), Maternité (Entbindungsstation), Medicine interne (Innere Medizin), Tuberculose (Tuberkulose-Station), Nutrition therapeutique (therapeutische Ernährungsstation), Station de Sida (Aidsstation) sowie einige Privatzimmer.
Das Krankenhaus hat eine eigene Apotheke sowie ein Gesundheitszentrum, in dem alle Neuaufnahmen untersucht werden für eine Gebühr von 200 RFr, was 30 Ct entspricht. Dort wird dann entschieden, ob sie stationär aufgenommen werden, um weiter behandelt zu werden oder mit ambulanter Behandlung nach Hause gehen können.
Meistens ist es besser, wenn sie nach Hause gehen können, weil das Krankenhaus keine Kantine besitzt, die Familienangehörigen oder Freunde müssen jeden Tag das Essen für den Kranken bringen, was oft sehr beschwerlich ist, besonders für die Familien, die entfernt wohnen. Innerhalb der Familie oder als Nachbar ist man aber verpflichtet zu helfen.
Eine der größeren Stationen im Krankenhaus in Kirinda ist die Sidastation (Aids). Dort werden schwangere Frauen betreut und erhalten ein spezielles Aidsmedikament mit dem man erreicht, dass ihr Fötus sich nicht mit dem Virus infiziert. Außerdem erhält dort jede und jeder Betroffene ärztliche Versorgung. Es gibt einen großen Saal für die Aufklärungsarbeit für Nichtbetroffene und selbstverständlich auch Arztzimmer für individuelle Beratung und Aufklärung. Im gesamten Gebäude sind überall Plakate aufgehängt und im „Kino“ werden für die Analphabeten Videos gezeigt.
In Kirinda gibt es neun Kirchengemeinden verschiedener Bekenntnisse, die sich zur Aufklärungsarbeit gegen Aids zusammen getan haben. In jeder dieser Gemeinden gibt es einen Ausschuss von 5 Angestellten und 4 Freiwilligen, die die Sensibilisierungsprogramme durchführen. Somit sind auch die Pfarrer und Leiter der Kirchen und Schulen eingebunden. In den Schulen werden z.B. Theaterstücke aufgeführt, Videofilme und Poster gezeigt. Aufklärungsarbeit wird mit den gleichen Mitteln auch auf öffentlichen Plätzen wie Märkten etc. betrieben.
Insgesamt ist die offizielle Aidsrate in Kirinda in den letzten Jahren von 10% auf 8,8% gesunken, was unter anderem auch dieser Arbeit zu verdanken ist. Die Regierung gibt landesweit 10% an, womit Ruanda im Vergleich auf dem Kontinent Platz 15 einnimmt. Seit den letzten paar Jahren ist die Zahl der Infizierten tatsächlich nicht mehr gestiegen. Und dennoch gibt es die Sorge, dass die mittlere Generation aussterben könnte. Die größte Gruppe der Infizierten bilden die 20-30jährigen, wobei Sida mehr Frauen als Männer betrifft, was unter anderem auch daran liegt, dass die Männer „schneller“ an dem Virus sterben. Es ist leider nicht möglich, die genauen Zahlen der Betroffenen zu benennen, da die Dunkelziffer sehr hoch ist. Kommt das Gespräch auf Nachbarländer, liegt deren Rate meist um das Dreifache höher! Das liegt zum einen daran, dass die Leute in ländlichen Gebieten meist nicht in die Krankenhäuser gehen und zum anderen, das Sida vorerst ein Tabuthema geblieben ist. Das gesellschaftliche Verständnis wächst jedoch immer mehr, da die Leute über die Ansteckungswege informiert werden. Für die Betroffenen gibt es spezielle Wiedereingliederungsprogramme. Beispielsweise treffen sich die Betroffenen ein- bis zweimal im Monat in den Kirchengemeinden Kirindas in Selbsthilfegruppen, um sich über ihre Probleme und Erfahrungen mit der Krankheit auszutauschen. Außerdem erhalten sie auch Unterstützung hinsichtlich des Schulgeldes für ihre Kinder, oder sie erhalten als Startkapital eine Ziege oder ein Huhn für einen Neuanfang, nachdem sie auch von ihrer Familie gemieden werden.
Inzwischen gibt es nicht nur von kirchlichen Organisationen wie der EPR, sondern auch vom Staat geförderte Programme. So wurde vor kurzem von der Regierung beschlossen, dass die notwendigen Medikamente zur Behandlung von Aids kostenlos an besonders arme Familien gegeben werden, da die Behandlung etwa 14 Euro pro Monat und Person kostet, und sich so nicht jeder Infizierte behandeln lassen kann. Durch diese Medikamente steigt jedoch die Überlebenswahrscheinlichkeit rapide an. Wenn man rechtzeitig mit der Vergabe beginnt, können sie das Leben um fünfzehn bis fünfundzwanzig Jahre verlängern. In Kirinda selbst sollte dieses Programm nach etwa zwei Monaten, also im Nov. 2004, beginnen.
Ein großes Problem stellt die Situation der Kinder da, die aufgrund der Krankheit ihre Eltern verloren haben. Allein in Ruanda gibt es aus diesem Grund 300.000 Waisenkinder. Aids/Sida ist ein Gegenwarts- und ein Zukunftsproblem.
Lets play guitar! Lets play bass! Unsere Workshops
Behrend Heeren, Sebastian Obst, Malte Mielke
Aufgrund der Monate vorher gewünschten Workshops durch die EPR war die Konzipierung uns selbst lange unklar bzw. wurde oft verändert. Wir wollten und sollten erklären:
Aufbau einer Gitarre und eines Verstärkers
Aber wir wollten auch Spaß an der Musik und am Lachen haben. Somit überlegten wir zunächst, wie ein mögliches Lernkonzept aussehen könnte, welche Materialien wir benötigen würden und wo der Workshop überhaupt stattfinden soll, da uns nur wenige Räume im Centre Isano zur Verfügung standen. Dass man die eigentlich verrückte Idee verwirklichen kann, Gitarren, E-Bässe und E-Gitarren mit nach Ruanda zu nehmen, dass jeder Workshopteilnehmer auf einer eigenen Gitarre spielt, wussten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Neben den 7 Gitarren bestellten wir zudem noch Stimmpfeifen, Saitensätze und Saitenkurbeln, um das Saitenaufziehen und das anschließende Stimmen bestmöglich erklären zu können. Von der Ausrüstung schienen wir also schon mal gut versorgt zu sein, auch wenn uns klar war, dass Gitarren aus China einen langen Transportweg haben und wir eigentlich nicht mehr ganz so viel Zeit hatten bis zum Abflug...
Nachdem unsre Gruppe nach einer kurzfristigen Umbesetzung dann schließlich aus Sebastian Obst, Malte Mielke und Behrend Heeren bestand, warfen sich uns schon eine Menge Fragen auf: Wie bringt man Afrikanern Gitarre spielen bei? Was können sie, was können sie nicht? Haben wir es mit absoluten Anfängern zu tun oder mit erfahrenen Spielern? Da Sebastian zwar schon einmal in Ruanda war, jedoch keine Ahnung von Gitarren hatte und Malte und Behrend sich zwar mit Gitarren auskannten, jedoch noch nicht in Afrika gewesen waren, blieben die Fragen unbeantwortet und wir mussten uns auf jede mögliche Situation vorbereiten. Dementsprechend überlegten wir uns Konzepte sowohl für erfahrene Gitarristen als auch für Anfänger. Jedoch orientierten wir uns an den Wünschen der EPR und setzten uns zum Ziel, dass die gewünschten Workshopinhalte umgesetzt werden. Daraufhin durchsuchten wir das Internet nach einfachen Liedern, überlegten uns anschauliche Erklärungen für das Saitenaufziehen und studierten den Aufbau von Verstärkern. Um alles möglichst anschaulich erklären zu können, stellten wir ein Heft zusammen, in dem man z.B. Akkordtabellen, Lieder, Anleitungen zum Stimmen und zum Saitenaufziehen etc. finden konnte. Dieses Heft ließen wir ins Französische und ein wenig ins Kinyarwandische übersetzen und kopierten es für jeden Teilnehmer.
Ganz nach Plan stießen Jean de Dieu, Joseph und Wellars zu uns. Mit ihnen sollten wir den Workshop für die Tagesgäste vorbereiten. Die Vorbereitung sollte so ablaufen, dass wir den drei afrikanischen Freunden die Kenntnisse so vermitteln, dass sie dann wiederum in der Lage sind, das Gelernte an die neuen Teilnehmer weiterzugeben. Wie befürchtet, hatten wir zunächst keinen Raum und auch keinen Strom zur Verfügung, so dass wir uns dann mit unseren akustischen Gitarren unter einem der Pavillons im Centre Isano niederließen. Die Tatsache, dass wir keinen geschlossenen Raum hatten, störte nur beim Stimmen der Gitarre ein wenig, da die benötigte Ruhe fehlte. Mit permanentem Stromausfall hatten wir ja eigentlich gerechnet, trotzdem war es gerade für unseren E-Bass-Spezialisten Malte ärgerlich. Trotz dieser doch recht erschwerten Rahmenbedingungen erzielten wir in den ersten Tagen erstaunliche Erfolge und unsere anfänglichen Ängste lösten sich in Luft auf. Unsere drei Schüler waren äußert interessiert, und obwohl zwei schon richtig gut spielen konnten und einer wiederum fast gar nicht, waren alle drei sehr geschickt und begeistert etwas Neues (dazu) zu lernen. Schnell merkten wir Europäer, dass die Afrikaner eine ganz andere Art haben zu lernen, die uns immer wieder in Staunen versetzte. Unser Gitarrenheft erwies sich zwar als äußert hilfreich, dennoch schauten sich die Ruander alle Übungen viel lieber von unseren Fingern ab, als sie vom Papier abzulesen. Das theoretische Hintergrundwissen, was wir ihnen zu den einzelnen Workshopinhalten vermittelten, stieß bei ihnen zwar auch auf Interesse, jedoch begannen die Augen erst zu leuchten, wenn sie einen neuen Akkord spielen konnten oder gar ein ganzes Lied gelernt hatten. Das ungemein praktisch ausgerichtete Interesse und auch Lernverhalten gab dem Workshop eine etwas andere Richtung, welche sich aber als ebenso interessant herausstellte. Auf ausdrücklichen Wunsch unserer drei Schüler hin ließen wir dementsprechend ein paar theoretische Vertiefungen beiseite und übten unsere deutschen Chorlieder auf Gitarre!
Nach ein paar Stunden waren wir zwar erschöpft, aber auch sehr zufrieden mit unserer und vor allem mit der Leistung unserer drei Schüler, die man mit allem Neuen begeistern konnte. Dementsprechend war die Zusammenarbeit sehr angenehm und die persönliche Atmosphäre lockerte die eigentliche Lernsituation erheblich auf.
Im eigentlichen Workshop sollten dann Jean de Dieu, Joseph und Wellars mit uns zusammen die Lehrerrolle übernehmen und das Gelernte weitergeben. Dabei wünschten wie uns vor allem sprachliche Unterstützung.
3 Tagesfreunde waren geklärt und wollten Gitarre lernen, und ebenso „3“ wollten Bass erlernen. Obwohl das nicht mehr Schüler waren, als wir erwartet hatten, fragten wir uns doch, ob wir der bevorstehenden Aufgabe gewachsen wären. Zunächst musste jedoch das „Raum-Problem“ gelöst werden, da unser Workshop unmöglich in einem 15m²-Pavillon stattfinden konnte. Wir waren trotz allem Fleiß zugegebenermaßen auf diese Situation schlecht vorbereitet. Dennoch entschlossen wir uns, den Workshop in eine Gitarren- und eine Bassgruppe aufzuteilen. Da auf einer Bassgitarre keine Akkorde gespielt werden, brachte Malte ihnen so genannte Griffbilder bei. Das war sehr ungewohnt, und oft konnten sie es nach dutzenden Wiederholungen plötzlich nicht mehr.
Die Gitarrengruppe bekam den etwas abgelegenen und deshalb vor allem akustisch äußert vorteilhaften Petit Salle als Proberaum und bestand nun aus Behrend, Wellars, Jean de Dieu, Joseph und den drei neuen Teilnehmern Jonathan, Severeyani und Bertin. Die neue Lehr- und Lernsituation unterschied sich jedoch vollkommen von der ersten. Bei den drei neuen Schülern gab es erstens sehr starke Differenzen nicht nur bezogen auf die Vorkenntnisse, sondern auch bezogen auf Begabung und Geschick, zweitens ein anfänglich doch starkes Verständigungsproblem, da keiner der Neuen Französisch sprach. Das sprachliche Problem wurde dann jedoch von unseren drei Freunden gelöst, indem sie wertvolle Übersetzungsarbeit leisteten und vieles auch selbst erklären konnten. Dennoch übernahmen sie die Lehrerrolle nicht immer so, wie wir es uns gewünscht hätten. Dies lag unserer Meinung jedoch nicht an Desinteresse oder Inkompetenz, sondern allein an der Tatsache, dass ihnen die Schülerrolle besser gefiel und sie hofften, auf diese Weise auch noch weiter zu lernen und nicht nur anderen etwas beizubringen. Als gemeinsame Aktion aller Workshops wurde dann zum Schluss der Gospel „Sandy Land“ eingeübt. Wir Gitarristen hatten dabei die Aufgabe, den „Chor“ und die Glockenspiele mit Akkorden zu begleiten, was auch insgesamt gut klappte und allen große Freude bereitete.
Über die Zusammenarbeit in der zweiten Phase der Workshops lässt sich vergleichend zur ersten Phase sagen, dass die Atmosphäre weniger persönlich war, einerseits weil uns die neuen Teilnehmer vollkommen fremd waren und andererseits weil die Gruppe nicht mehr so angenehm klein war, dass man sich um jeden „Schüler“ persönlich kümmern konnte. Das schon angesprochene praktische Lernverhalten setzte sich auch in der zweiten Phase fort, so dass wir viele neue Akkorde und Lieder lernten, den Aufbau und die Pflege der Gitarre aber auf Wunsch der Afrikaner beiseite ließen. Was uns am meisten erstaunte war, dass alle Schüler, ob sie begabt, geschickt, erfahren waren oder nicht, sich als dermaßen ehrgeizig und lernfleißig erwiesen, dass sie alles, was sie während der Workshopzeit nicht so gut spielen konnten, anschließend so lange für sich selbst übten, dass sie es nach einer kurzen Zeit „fast perfekt“ präsentieren konnten.
Trotz des enormen Fleißes ließen sich die spielerischen Differenzen nicht beheben, so dass für uns am Ende des Workshops feststand, dass für die beiden Teilnehmer Bertin und Severeyani die Gitarre zumindest in den nächsten Jahren wohl nicht das geeignete Instrument zu sein scheint. Für die übrigen Gitarrenschüler lässt sich von unserer Seite nur empfehlen, Wellars und Joseph eine akustische Gitarre, Jonathan eine Akustikgitarre mit Tonabnehmer und Verstärker und Jean de Dieu eine gute E-Gitarre mit einem guten und vielseitigen Verstärker zur Verfügung zu stellen, um ihre Aktivitäten als Chorleiter, Gitarrenlehrer oder Songwriter zu unterstützen. Natürlich übergaben wir alle Instrumente dem Jumelage-Komitee und deuteten nur die Namen der Gemeinden an, zu denen die Gitarren nach unserer Empfehlung sollten, damit keine persönlichen Abhängigkeiten entstünden. Und manchmal, unterm Sternenhimmel, haben wir den Eindruck, wir hören neuerdings Gitarrenklänge in ostafrikanischen Kirchen mit insgesamt 6 (oder bei Bässen 4) gestimmten Saiten!!!!
Workshop „Sonorisation“ - das Singenlernen
Miriam Rogge, Tanja Jansen, Gesine Voigt
Unsere Workshopvorbereitungen für die Reise nach Ruanda im August 2004 fingen damit an, dass wir uns zunächst selbst mit dem vorgesehenen Lerninhhalt unseres Workshops vertraut machen mussten. Wir, das sind Miriam Rogge, Tanja Jansen und Gesine Voigt, die aufgrund der Absage einer anderen Teilnehmerin erst sehr kurzfristig in den Sonorisationsworkshop wechselte. Das warf die bisherige Planung weit zurück, da die abgesprungene Person die einzige in unserem Team war, die Gesangsunterricht hatte.
Durch ein weiteres Chormitglied unserer Gruppe konnten wir aber schließlich Kontakt zu einer professionellen Sängerin knüpfen, die zwei Nachmittage mit uns verbrachte und uns verschiedene Atemtechniken beim Singen, die richtige Körperhaltung und auch einige Einsingübungen beibringen konnte. Da sie selbst schon einmal einen Chor in Südafrika geleitet hatte, konnte sie sich gut in unsere Situation hineinversetzen und wollte am Ende des Unterrichts nicht einmal bezahlt werden.
Zusätzlich haben wir uns noch einige Materialien aus der Bibliothek besorgt und die einzelnen Bücher bzw CDs durchgearbeitet.
Der grobe Überblick, den wir nun bekommen hatten, musste nur noch in ein konkretes Konzept umgesetzt werden. Zuletzt stand ein ungefährer Ablaufplan mit einigen Zielen fest:
Wir wollten
Zu der Motivation und Freude auf unseren Workshop, kamen verständlicherweise auch Ängste hinzu. Wir alle waren Anfänger, was das Leiten eines Workshops anging, und keiner war sich sicher, ob unsere Ziele mit den Vorstellungen der Ruander übereinstimmten und ob sie durchführbar waren. Außerdem spricht keiner von uns gut Französisch geschweige denn Kinyarwanda, was bei uns auch Befürchtungen in Bezug auf die Verständigung mit unseren Workshopteilnehmern hervorrief.
Weiterhin schien es uns ein sehr hochgestecktes Ziel zu sein, in so kurzer Zeit einen so extremen kulturellen Unterschied zu überwinden.
Zu unserer Gruppe zählten Claudine Dushimimana, Francoise Mukamagabo und Esperance Mukamudenge.
Wir hatten einen großen, schönen und ruhigen Raum zur Verfügung, in dem wir sogar eine Tafel benutzen konnten. Von Anfang an hatten wir eine Menge Spaß miteinander und die drei Freunde schienen interessiert, wissbegierig und engagiert an die Sache heran zu gehen. Allerdings bestätigten sich auch unsere anfänglichen Ängste, dass die Zeit nicht reichen würde, unsere Art mit dem Singen umzugehen in wenigen Stunden zu vermitteln. In Afrika ist es üblich, viel nach Gefühl zu singen, weshalb der theoretische Hintergrund fehlte, auf dem wir aufbauen wollten.HHiHhshshshshs Also konzentrierten wir uns auf die wesentlichen Aspekte und versuchten vor allem ein Bewusstsein für die richtigen Atem- und Gesangstechniken zu schaffen. Wir haben ihnen Kopien aus den Gesangsbüchern gezeigt, die von den Freunden für die Workshopteilnehmer übersetzt wurden. Unsere Befürchtungen bezüglich der Verständigung haben sich relativ schnell in Luft aufgelöst, da Gesine ein wenig Französisch übersetzen konnte und der Rest mit Hand und Fuß funktionierte. Wir machten uns keinerlei Gedanken, dass die zweite Phase uns Probleme bereiten könnte.
Unserem Workshop wurden leider nur zwei Teilnehmerinnen zugewiesen: Angelique Kubwimana und Antoinette Kyirandere.
Wir haben zwar mit dem Kassettenworkshop den Raum getauscht, aber die Bedingungen waren nach wie vor gut. Der Einstieg verlief genauso, wie wir es mit Claudine und Francoise geplant hatten. Da wir das Programm mit ihnen vorher festgelegt hatten, konnten die beiden aufgrund der Sprache die Inhalte jetzt viel besser vermitteln als wir, ergriffen auch sofort die Initiative und waren uns damit eine große Hilfe.
Wir fingen mit einer Vorstellungsrunde an. Danach haben wir die theoretischen Grundsätze der Atmung und Haltung beim Singen anhand der von uns vorbereiteten Bilder erklärt. Dann haben wir mit praktischen Atem- und Einsingübungen begonnen und zum Schluss das Lied „Sandy land“ geübt.
Beim Mittagessen haben wir mit Claudine und Francoise den Einstieg ausgewertet. Aus diesem Gespräch ergab sich, dass sie auch gemerkt hatten, dass ihnen der theoretische Hintergrund fehlte, und sie deshalb gerne mehr über Notenlesen wissen wollten, was unserem Workshop eine völlig andere, auch für uns interessante, Richtung gab.
Wir passten also unser Konzept an diese Situation an und beschäftigten uns dann mit Notennamen, Notenwerten, Pausen, Notenschlüsseln etc. Das ganze verlief daher ein wenig improvisiert, aber stellte kein Problem dar, da wir Deutschen alle Noten lesen konnten und wir uns Metallophone vom Notenleseworkshop leihen konnten.
Bei der Zusammenführung der Workshops wurde das Lied ein voller Erfolg. Der Notenleseworkshop spielte auf Metallophonen, der Gitarrenworkshop begleitete das ganze mit Akkorden und wir sangen den Text. Das alles wurde vom Cassettenworkshop aufgenommen, was allen sehr viel Spaß machte.
Alles in allem war es für uns sehr schwierig in so kurzer Zeit unsere theoretische Art zu Singen rüber zu bringen. Die Ruander haben ihren eigenen Stil alles mit vollem Körpereinsatz und emotional zu singen, weshalb es für sie schwierig ist unsere theoretischen Einsingtechniken zu lernen. Trotzdem wäre es sinnvoll, das Projekt weiterzuführen, da auch wir davon profitiert haben, eine andere Art Musik zu machen, kennengelernt zu haben. Man sollte berücksichtigen, dass für einen Sonorisationsworkshop auch theoretisches musikalisches Wissen erforderlich ist, was man zuerst beibringen sollte. Wir werden diese Klänge und die Gesichter nie wieder vergessen!
Gacaca - die ruandische Gerichtsform
Der Genozid 1994 in Ruanda, bei dem innerhalb von 100 Tagen ca. 1 Million Menschen umgebracht wurden, führte dazu, dass danach die Gefängnisse überfüllt waren. Denn es viele mutmaßliche Täter, wobei die Verdächtigungen vom Verrat bis zum Mord reichten. Hätte man versucht, alle Täter in konventionellen Gerichtsprozessen zur Verantwortung zu ziehen, so hätten sich die Prozesse über ca. 40 Jahre lang hingezogen und viele hätten ihr Leben lang vielleicht sogar unschuldig im Gefängnis verbracht oder wären gestorben.
Darum hat man nach einer Alternative gesucht und sie in der traditionellen Gerichtsform des Gacacas gefunden. Diese ist jedoch nur zuständig für die Verbrechen der zweiten bis vierten Kategorie, in welche die Verdächtigen eingeteilt worden sind. Die vierte Kategorie umfasst beispielsweise Plünderer und Verräter, die dritte umfasst beispielsweise Körperverletzung, und in der zweiten Kategorie befinden sich Mörder. Jeder Kategorie ist jeweils eine Ebene der Gacacas zugeordnet. Die einzelnen Ebenen sind: Zelle, Sektorn und Distrikt. Den Verdächtigen der ersten Kategorie wird aus Sicherheitsgründen in Arusha am internationalen Gerichtshof der Prozess gemacht.
Die Form der Gacacas hat in Ruanda bereits eine lange Tradition, wurde allerdings im 20.Jahrhundert erst auf zivilrechtliche Dinge beschränkt und von der staatlichen Justiz verdrängt. Gacaca ist ursprünglich der Platz im Tal an dem die Streitigkeiten durch das Tribunal der Dorfältesten beigelegt wurden. In diese Entscheidungen wurde auch immer der Versuch von Wiedergutmachung mit einbezogen und nicht nur die Verurteilung in den Vordergrund gerückt. Die Richter in den Gacacas sind Laien, welche von der Bevölkerung bestimmt werden und alle gleichberechtigt sind.
Schon bei den ersten Prozessen entstand das Problem der Zusammenstellung des Beweismaterials. Diese dauert sehr lange, da es sich dabei hauptsächlich um mündliche Zeugenaussagen handelt und Verdächtigungen sehr schnell einfach vorgebracht werden und erst überprüft werden müssen, bevor es zu einer Anklageerhebung kommt. Dies ist auch der Grund, warum in den meisten Dorfgemeinschaften die Prozesse auch 10 Jahre nach dem Bürgerkrieg noch nicht begonnen haben. Eine Richterin, die wir im Justizministerium besuchen durften, berichtete uns von dem Ablauf der Prozesse und teilte uns diesbezüglich auch ihre Meinung über die Gacacas mit.
Im Prozess findet eine Beschreibung des Tathergangs aus der Sicht der Täter, der Angehörigen der Opfer bzw. der Opfer selbst, wenn dies noch möglich ist, statt. Dies birgt die Gefahr der Traumatisierung auf Seiten der Opfer, da diese bereits Erlebtes und größtenteils Verdrängtes im Grunde neu durchleben müssen. Auch besteht die Gefahr der Bagatellisierung auf Seiten der Täter, was sich hinter teilweise recht drastische Formulierungen versteckt.
Allerdings haben auch viele Angehörige der Opfer ein Interesse, endlich zu erfahren, was wirklich passiert ist und für viele ist es eine Möglichkeit zu erfahren, wo sich die Leichen ihrer Angehörigen befinden, und diese damit auch begraben zu können. Wir haben an einem Memorialplatz gehört, dass jetzt – nach 10 Jahren – manche Angehörigen nur einen x-beliebigen Knochen erhalten möchten, um ihn symbolisch und rituell korrekt bestatten zu können
So haben die meisten Ruander also eine recht zwiespältige Meinung gegenüber der Anwendung dieser Gerichtsform auf die Verbrechen im Bürgerkrieg, dennoch wird im ganzen Land für die Teilnahme an den Verfahren auf Postern geworben. (Siehe Foto)
Das Strafmaß, das verhängt werden kann, reicht von Freispruch bis zur lebenslänglichen Gefängnisstrafe. Es ist auch davon abhängig, ob der Angeklagte Reue zeigt. Den Verurteilten bleibt die Möglichkeit Revision gegen das Urteil einzulegen.
Es ist aktuell nicht genau absehbar, wie lange sich die Prozesse noch hinziehen und ob sie wirklich zur Versöhnung und somit zum Frieden im Land beitragen. Wir haben in unseren Vorbereitungen Eugenie Musayidire kennengelernt, die in der Nähe von Bonn Asylarbeit macht und deren „Durchleiden“ des Gacacas-Prozeßes auch in den Medien in Deutschland dargestellt wurde. Sehr realistisch wurde dabei auch die Konfrontation mit dem Mörder ihrer Mutter rübergebracht.
Gihene medium - oder doch lieber Chorziegen?
Vor drei Jahren lernten wir Marguerite kennen, eine Frau vom Zimmerservice im Gästehaus Bethanie am Lac Kivu. Sie brachte früh morgens auch Fische mit für die Küche. Damals durften wir sie zu Hause besuchen in einer für unsre Verhältnisse extrem ärmlichen Hütte. Damals fragten wir sie, wie es ihren Tieren ginge, und sie teilte uns traurig mit, dass eine der 3 Ziegen gestorben sei an einer unbekannten Krankheit. Wir legten am Tag unserer Abfahrt unsre restlichen Münzen zusammen und gaben ihr das Geld für ein Zicklein. Jetzt wollten wir natürlich wissen, wie es der Ziege geht.
Doch die anderen Serviceleute sagten uns, dass sie wegen ihrer Ehe jetzt in einer Phase sei, wo man sie nicht besuchen könne. Das war aber ein Übersetzungsfehler, denn es waren Flitterwochen - sie hatte ein paar Tage zuvor ein zweites Mal geheiratet. Wir trafen sie zu unserer Überraschung auf dem Markt der Kongo-Händler - genauer gesagt überrannte sie uns. Und sie lud uns ein zu sich nach Hause.
Anhand der Fotos erklärte sie uns den Ritus, dass sie sich und ihr neuer, bisher lediger Mann beide (!) vor der Gemeinde schuldig bekennen mussten und um Verzeihung zu bitten hatten, bevor sie kirchlich getraut werden konnten. Aber zuerst einmal mussten wir das neu gemauerte Haus bestaunen und den Hof und den Zaun und im Umland ein unglaubliches Paradies.
Allerdings zeigten sie uns auch das zerstörte Schloss des Schuppens. Nachbarn hatten kurz vorher nachts eingebrochen, die Bohnenpflanzen ausgerissen und damit - nach Aufbruch des Stalles - die Ziegen gefüttert. Zwei hatten sie entwendet, und ausgerechnet unsre Chorziege hatten sie da gelassen (was wir natürlich auch gerne glaubten), die am Tag vor unserem Besuch zwei Zicklein „entbunden“ hatte. Die Zicklein hatten sogar noch Blut am Körper.
Wir waren happy und stolz und machten viele Fotos, überprüften fachmännisch, das unsre Chor-Mutter-Ziege auch den Ohrclips trug für die Impfung und versprachen, ein neues Schloss zu spendieren.
Nachgeschichte Nr.1: Wir aßen trotzdem die ruandische Delikatesse „Gihene Medium“, also gegrillten Ziegenspieß, und die „Veggis“ von uns hatten neue Beweise gegen...
Nachgeschichte Nr.2: Auf der Rückfahrt kam Sturm auf, und eine Pirogge kenterte. Das bedeutet normalerweise sofortiges Ertrinken, aber Marguerite war am See aufgewachsen und konnte schwimmen. Halleluja!
Vater-Unser - Predigtszenen in Ruanda (deutsche Übersetzung)
Während unserer Predigt bauen wir hier vorne eine Brücke aus großen Klötzen. Damit möchten wir das „Vater Unser“ erklären. Es gibt große Brücken über Flüsse oder Schluchten. Manche Brücke ist nur ein Brett über einen Graben. In unserem Land gibt sehr alte Brücken, aber auch Brücken, die nur für ein paar Wochen da sind.
Wir gehen über eine Brücke mit einer Last auf dem Rücken. Wir haben Angst, dass die Brücke zerbrechen kann. Wir gehen mit der Hoffnung, das andere Ende glücklich zu erreichen. In einer Richtung geht der Weg über die Brücke nach Hause, in der anderen Richtung in eine unsichere Zukunft.
Die Brücke, die wir hier bauen, soll das Beten erklären. Das Vater Unser, das die ganze Welt umspannt, alte und junge Menschen verbindet. Gott hat in Jesus Christus die Brücke zu uns Menschen gebaut. Er ist das lebendige Wort Gottes.
Wenn wir beten, benutzen wir diese Brücke. Wir wissen: Unsre Gebete erreichen Gott, und Hilfe kommt uns entgegen.
Zu Beginn: Die Rampe
Das erste Teil einer Brücke ist die Befestigung am Ufer. Dafür nehme ich diesen großen Holzkeil. Zwischen dem alten Ufer und der Brücke gibt es diese Rampe. Noch stehe ich auf dem Ufer, das ich verlassen will. Ich betrete die Brücke, der Weg hat begonnen.
Das Vater Unser beginnt mit der Anrufung Gottes. Vater unser, der du bist im Himmel. Gott ist der gemeinsame Vater aller Christen, ihn dürfen wir anrufen. Unsre Blicke lösen sich von dem alten Ufer, das wir verlassen wollen.
Die erste Säule
Ich nehme eine Säule als Teil einer Brücke. Die Säule muss fest stehen, zum Beispiel in einem Fluss. Die Säule ist Stütze der Brücke. Unser Beten wird durch unser Bekennen gestützt. Im Vater Unser bekennen wir: Geheiligt werde dein Name. Damit erheben wir Gottes Name über dem Abgrund.
Sein Name ist heilig, und wir werden ihn heilig halten. Zum Bekennen gehört Mut, zum Beten gehört Mut. Wir rufen nicht nur zu Gott, wir bekennen und verehren ihn. Im Gebet ist der Name Gottes so wichtig wie ein Pfeiler in einer Brücke.
Die zweite Säule
Ich nehme eine zweite Säule. Die Brücke soll lang werden, sie braucht die Brücke eine zweite Stütze. Sie braucht ein gutes Fundament. Im Vater Unser heißt das zweite Bekenntnis: Dein Reich komme. Seine Herrschaft bringt Frieden und Kraft. Seine Herrschaft durchdringt alles, ohne es zu unterdrücken. Wir bekennen, dass wir schon jetzt auf dem Weg sind zum Reich Gottes. Seine Verheißung ist unser Weg. Diese Verheißung ist wie eine starke Stütze, verankert in dieser Welt. So wird unser Gebet sicher und unsre Brücke auch.
Die dritte Säule
Unsre Brücke ist lang, sie reicht in die Zukunft, sie soll unser ganzes Leben lang halten. Von unseren Vorfahren zu den nächsten Generationen. Von einem Kontinent zum andern. Deswegen nehme ich einen dritten Pfeiler, damit wir alle das andere Ufer sicher erreichen. Das dritte Bekenntnis im Vater Unser heißt: Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Noch haben wir keine Bitte ausgesprochen.
Vorher einigen wir uns darauf, dass Gottes Wille geschehen soll. Gottes Wille verbietet nicht alles, er wird uns in die Freiheit führen. Wir wollen miterleben, wie Gottes Wille überall geschieht. Wie sein Wille im Himmel geschieht, so soll er auch bei uns auf der Erde geschehen. Der dritte Pfeiler verbindet auch Himmel und Erde.
Wir haben unsre Brücke gut angefangen. Das erste Teil steht noch am alten Ufer. Dann haben wir 3 Pfeiler gesetzt. Jetzt kommen die Teile der Brücke, die den Weg bilden zum andern Ufer.
Der erste Klotz
Dafür nehme ich den ersten Klotz. Wir haben Gott angerufen. Wir haben uns zu ihm bekannt, zu seinem Namen, seinem Reich und seinem Willen. Jetzt dürfen wir ihm unsre Not sagen. Die erste Bitte im Vater Unser heißt: Unser tägliches Brot gib uns heute. Brot steht als Bild für Maniok, Banane oder Kartoffel Brot steht auch für Licht und Wasser, Milch und Salz. Wir wollen nicht nur satt werden, wir wollen auch Kraft haben für unsre Aufgaben. Wir wollen, dass alles gerecht geteilt wird. Dann wollen wir auch täglich Dank sagen, und nicht nur um das tägliche Brot bitten.
Der zweite Klotz
Ich nehme den zweiten Klotz, um die Brücke weiter zu bauen. Ich lege diesen Klotz auf die beiden Pfeiler: Dein Name werde geheiligt und dein Reich komme. Die zweite Bitte lautet: Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Wir bitten um Vergebung im Namen Jesu, der alle Schuld er Welt am Kreuz trug. Wir bitten um Vergebung im Namen Gottes, der Jesus und uns die Kraft der Auferstehung schenkt. Und wir bitten um Vergebung im Namen des Heiligen Geistes, der uns den Mut zum Neuanfang gibt.
In der Bitte um Vergebung geben wir ein Versprechen: So wie uns Gott vergibt, so werden wir auch unsern Schuldigern vergeben. Den anderen in unserm Dorf, in unserer Familie, in unserm Volk. Unsre Bitte nach Vergebung zwingt uns zur Ehrlichkeit. Und der gemeinsame Dank über die vergebene Schuld macht uns Christen stark.
Der dritte Klotz
Wir bauen die Brücke weiter, jetzt mit dem dritten Klotz. Die dritte Bitte im Vater Unser lautet: Und führe uns nicht in Versuchung. Das ist die große Bitte unseres Lebens,
das Gott uns die tiefste Angst wegnimmt. Gott soll uns in unserm Leben führen. Er soll uns an den Versuchungen vorbei führen, und wenn wir versagt haben, soll er uns wieder heraus führen. Wenn Gott uns führt, ist unsre größte Angst in seinen Händen. Wir sind dann nicht ohne Angst,
wir müssen dann immer noch entscheiden, wir stehen immer noch in Versuchungen.
Aber wir sind nicht allein. Gott ist unser Helfer, von ihm erwarten wir Führung. So lernen wir, zwischen Führung und Verführung zu unterscheiden. Früher hat uns die Angst gelähmt, jetzt lernen wir Verantwortung. Dafür betreten wir den dritten Klotz in der Brücke.
Der vierte Klotz
Ihr seht, wir nähern uns dem anderen Ufer. Der vierte Klotz weist in die Zukunft. Ihm fehlt ein Pfeiler, da muss noch was passieren. Der vierte Klotz ruht auf dem dritten Pfeiler: Gott, dein Wille geschehe. Der vierte Klotz ist die Bitte: Erlöse uns von dem Bösen! Das ist eine Bitte um die Zukunft, die schon begonnen hat. Merkwürdiger weise kommt die Bitte nach Erlösung nach der Bitte von der Schuldvergebung. Obwohl uns alle Schuld verziehen ist,
beten wir weiter für die Erlösung der Welt. Es stimmt: Diese Welt und wir müssen erlöst werden. Wir müssen erlöst werden, Schlechtes zu wiederholen. Wir müssen erlöst werden, dem Schlechten soviel Platz zu lassen. Wir müssen erlöst werden vom Verschweigen unserer Hoffnung.
In der Zeit zwischen der Auferstehung Jesu und dem Kommen seines Reiches bleiben wir zusammen in der Bitte um Erlösung. Die Erlösung vom Bösen wird erst in Zukunft erfüllt werden, deswegen brauchen wir das letzte Teil der Brücke, das noch fehlt.
Zum Abschluss: Die Rampe
Die Brücke braucht das Stück, das zum neuen Ufer führt. Ich nehme den Keil, der die Brücke ganz macht, und der uns aus der Gefahrenzone heraus bringt. Ans andere Ufer, in die neue Zeit, in Gottes Gegenwart. Ich schiebe den Keil unter die Bitte nach der Erlösung. Jetzt verbindet die Brücke beide Ufer. Das Gebet hat seine Ziel erreicht: Das Lob Gottes.
Der Schlusssatz des Vater Unser lautet: Gott, dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen
Like a bridge over troubled water
Wir haben dreimal Gott bekannt, und ihm viermal die wichtigsten Bitten unseres Lebens geäußert. Damit haben wir uns ihm tief geöffnet. Das ist wichtig, aber nicht das eigentlich Ziel. Das eigentliche Ziel ist, das wir unsre Reiche, unsre Kraft und unsern Stolz ihm zuordnen und alles von ihm erwarten. Wir können über die Brücke gehen. Gott empfängt uns. Bei ihm ist die Kraftfrage gelöst, ihm gehört alle Herrlichkeit und wir werden groß und leicht und fröhlich, weil wir seine Kinder in seinem Reich sind und bleiben. Amen.
Data wa twese ibygisho bikinwe (prédication) Rwanda
Itangiriro
Twigishwa turubaka ikintu kimwe. Icyo twubaka ni Urutindo, turukoze mu ibiti. Ibyo bikadufasha gusobanura Isengesho rya "Data wa twese" Habaho intindo nini cyangwa inzuzi nini cyangwa se Ibibaya binini Ku Ntindo zimwe na zimwe hubatswe n`Urubaho rumwe gusa. Mu Gihugu cyacu dufite intindo zishaje ariko tukagira nizindi nshya zimaze Ibyumweru zubatzwe.
Turagenda ku Rutindo twikoreye Imitwaro ku Mugongo. Dufite Ubwoba ariko ko Urutindo rushobera gusenyuka, turagende twizeye ko tugera amahoro kuyindi Nkombe. Icyerekezo cyimwe n´Inzira inyuze ku rwego itujyana Imuhira. Ikindi Cyerekezo n`inzira tutazi aho itujyana kandi tutazi igihe izatugerezayo. Urutindo twubaka hano rurasobanura Ugusenga. Isengesho rya data wa twese ritwikiriye isi yose kandi abakuru n`abato rikabahuza n´Imana. Yanyujij´ Urutindo muri Jesu Kristo ruduhuza nayo! Niwe Jambo ry`imana rizima. Iyo dusenga dukoresha urwo Rutindo. Ubwo dusenga twubaka tuzi ko Amasengesho ajyera ku Mana kandi Imfashanyo yayo iza idusanga.
Ibuye rya mbere: Uguhamagara
Intangiriro y`Urutindo iba yubatswe kubutaka (Inkombe). Nk`ikitegererezo ndafata iki Giti kinini! Hagati y`Inkombe n`Uruzi hari aho buririra. Ndacyahagaze ku Nkombe nshaka kuvaho. Nuriye Urutindo Urugendo ruratange: Data wa twese uri mw`ijuru. Imana ni se w`Abakirisito bose. Niwe tureba kandi tugomba guhamagara. Ukureba kwacu kurangiri ku Nkombe dushaka gusiga.
Ijambo ry`Imana
Mfashe Inkingi nku Rugingo rw`Urutindo icyo giti kigomba kuba gashinze nko mu ruzi. Iyo Nkingi ifite Umurimo wo gushyigikira Urutindo. Ugusenga kwacu gushyigikiwe no kwizera. Muri Data wa twese twemera tuvuga ngo :Izina ryawe ryubahwe. Ubwo tuba duhaye izina ry`Imana umwanya ukomeye, turikuye hasi Izina rye n`iryera kandi tugomba kuriha umwanya wera. Ukwemera gusaba Imbaraga kandi ugusenga nakwo gusaba imbaraga. Ntabwo duhemagara Imana gusa ahabwo turayizera kandi tukayishyira hejuru. Mugusenga Izina ry`Imana rifite Umurimo ukomeye nkuko cya Inkingi gishyigikiye Urutindo.
Inkingi rya kabiri: Ubwami bw`Imana
Mfashe Inkingi ya kabiri. Ikiraro kogomba kuba kirekire, ni ngombwa rero ko kikira Inshyigikiro ya kabiri. Kigomba kugira ? Nziza. Muri Data wa twese twemera tuvuga ngo: Ubwami bwawe buze. Ugutegeka kwawe kuzana amahoro n`imbaraga.
Ugutegeka kwawe kuzana byose, ntacyo gusiga.
Turemera ko turi mu nzira itujyana mu bwami bw`Imana. Icyizere iduha niyo nzira yacu. Icyo Cyizere kimeze n`Inkingi itewe kuri iyi si. Ubwo bigatuma Isengesho ryacu n`Urutindo rwacu bidahungabana.
Inkingi ya gatatu: Ubushake bw`Imana
Urutindo rwacu ni rurerure, rugera mw`Ijuru, rushigikiye Ubuzima bwacu bwose. Kuva ku batubanjirije kugeza ku buviyi bwacu. Kuva ku Bihugu kugeza ku kubindi. Nicyo gitumye bwita iyi nkingi iya gatatu, kubera ko butuma tugera ku nkombe yo hakurya amahoro.
Ukwemera kwa gatatu mw`isengesho ryacu kwitwa: Ibyo ushaka biheho mw`isi nkuko bibaho m`Ijuru. Kugeza ubu ntacyo twari twasaba!
Ariko twatangiye tuvuga ko: ibyo Imana ishaka bibaho, Ugushaka kw`Imana ntigutanga byose, kutujyana mu bwigenge. Turashaka kurebera hamwe uko Ugushaka kw`imana kugera hose! Nkuko Ugushaka kwayo kubaho mw`Ijuru, kubeho rero hano iwacu kw`isi nkuko kubayo.Inkingi ya gatatu ihuza rero ijuru n`isi.
Ibuye rya mbere: Ukuramuka
Twatangiye Urutindo rwacu neza. Igice kibanza kiri ku nkombe ishaje! None dushinze inkingi ya gatatu. Ubu rero hagiye kuza Ingingo zu Rutindo zizakora inzira ijyana kuyirindi Nkombe, nicyo gitumye mfashe Ibuye rya mbere. Twahamagaye Imana twiyemeje kuba abayo, mw`Izina ryayo, mu Bwami bwayo no m`Ugushaka kwayo. Ubu rero dushobera kuyibwira ubyo twifuza. Icyambere mubyo twifuza ni: Ibyo kurya byacu by`uyo munsi, ubiduhe none. Ibyo byo kurya ni nk`Imyumbati, Imineke cyangwa Ibirayi. Ariko ibyo kurya birasobanura Urumuri, Amazi, Amata, Umunyu...
Ntabwo dushaka guhaga gusa, ahubwo turashaka n`Imbaraga zidufasha mu mirimo yacu. Turashaka ko byose bitangwa uko bikenewe. Ubwo dushobora kandi turashaka kubishimira buri munsi! Ntidushaka gusaba ibyo kurya gusa.
Ibuye rya kabiri: Ukubabarira
Mfashe ibuye rya kabiri kugirango nkomeze nubaka Urutindo. Nshyize Amabuye hejuru y`izo Nkingi.
Izina ryawe ryubahwe kandi Ubwami bwawe buze.
Ugusaba kwa kabiri: Utubabarire ibyaha byacu nkuko natwe tubabarira ababitugirira. Turasaba Imbabazi mw`izina rya yesu we wikoreye ibyaha by`isi ku musaraba. Turasaba Imbabazi mw`Izina ry`Imana yahaye Yesu natwa imbaraga z`ukuzuka. Kandi turasaba Imbabazi z`Umwuka wera uduha Imbaraga zo gutangira bundi bushya. Iyo dusaba Imbabazi dufite Icyemezo tubitangana, nibwo Imana itubabarira, kandi nibwo dushobora kubabarira abaducumuyeho. Abo ni abaturanyi, umuryango wacu, cyangwa ubwoko bwacu.
Ubwo gusaba kwacu ko tubabarirwa, gatuma tugomba kuvugisha ukuri. Ugushimira hamwe kwo kubabarirwa ibyaha kuduha twebwe Abakristo imbaraga.
Ibuye rya gatatu: Ukurindwa
Turakomeza kwubaba Urutindo, dukoresheje Ibuye rya gatatu. Ugusaba kwa gatatu kuravuga ngo: "Ntuduhane mubi twoshya!" Uku n`Ugusaba gukomeye mu buzima bwacu. Aha imana itumara ubwoba bwinshi. Imana igomba kuyobora ubuzima bwacu. Igomba kuturenza ibidushuka. Kandi nituyoba, ituyobere! Iba ifite ubwoba bwacu bwose mu ntoki zayo. Ubwo tukaba nta bwoba, ubwo tukagamba kwemeza inzira tugenda, nubwo tuba duhagaze mu bidushuka. Ariko nti turi twenyine. Imana n`umufasha, ni nayo ituyobora. Nguko rero ukwo twiga gufata icyemezo cyo kuyoborwa cyangwa kuguma mu bidushuka. Kera twari dufunzwe n`Ubwoba, ubu turiga gufata Ibyemezo by`Ubuzima. Uburero tugeze Kw`Ibuye rya gatatu twubaka Urutindo.
Ibuye rya Kane: Ugukizwa.
Murabona turagenda twegera Inkombe nshya. Ibuye rya Kane rirerekana mu gihe Kirimbere. Ribuze Inkingi gusa ngo rihagarare. Turagomba gukora Ikintu. Ibuye rya Kane riracyafashwe n`Inkingi ya gatatu. Mana, Ibyo ushaka bibeho. Ibuye rya Kane ririmo Ugusaba: “Ahubwo udukize umubi!” Uku ni Ugusaba Kw`Igihe kigiye kuza ariko cyarangije gutangira. Hari Ikintu kitumyikana ariko: Twarangije Kubabarirwa Ibyaha none haje Ugukizwa! Twarangije Kubabarirwa Ibyaha none turasaba gukizwa kw`Isi! Nibyo: Isi natwe tugomba gukizwa. Turagomba gukizwa kwongera gukora Ibibi Turagomba gukizwa kwongera guha Ibibi Umwanya Turagomba gukizwa Uguhisha, uguceceka Ukwizera kwacu!
Hagati y`Ukuzukwa Kwa yesu n`Ukugaruka kwe tugumane hamwe dusaba Gukizwa.Ukubabarirwa Ibyaha bizaba mugihe kirimbere. Nicyo gituma dukeneye Inkingi yanyuma Kugirango urutindo rwacu rwuzure.
Ingingo ya kabiri: Ugushima
Urutindo rukeneye Ingingo yanyuma iruhuza nindi Nkombe. Mfashe iyo Ngingo yuzuza urwo Rutindo, kandi ituma tuva mu Nzira yari yuzuye Ibibazo, rutujyana ku yindi. Nkombe, rutunjyana mubihe bishya, rutujyana ku Mana. Nshyize iyi Ngingo ku Rutindo nsaba Kubabarirwa. Ubu Inkombe zombi zihujwe n`Urutindo. Isengesho ryuguruye Umurimo waryo: „Gushimira Imana“. Data wa twese irangizwa n`aya Magambo: Mana Kukw´ Ubwami, Ububasha n`Icyubahiro ar`ibyawe none n`Iteka ryose Amen! Inshuro eshatu twemeye Imana kandi inshuro enye twagaragaje Ibyifuzo byacu.
Ibyo byose byatumye twifungura turamwiyereka uko turi. Ariko sibyo twashakaga gugeraho gusa, nubwo byose aribyiza. Icyo twashakaga Kugeraho nukw´ Ubutunzi, Imbaraga n`Ukwi-yemere abyacu tubimwegurira tugategereza ibyo aduha. Dushobora kugenda ku Rutindo. Imana iratwakira. Iwe niho hashirirwa Imbaragaz`Ibibazo byose. Niwe ufite Ububasha bwose. Twebwe abakomeye n`aboroshye tuzanezerwa kubera ko twitwa. Abana be kandi tuzaguma mu Bwami bwe! Amen!
Wir haben das Faccettenkreuz unter ganz verschiedenen Gesichtpunkten erarbeitet. Es gehörte vom Grundsatz her zu unserem Logo, also dem Betreten weiter Räume. Das hatten wir auf allen T-Shirts. Ebenso hatten wir es als Fensterbild, wie auf der Rückseite der Broschüre abgebildet - und in der Form großer Tücher.
Am stärksten beeindruckt haben die 8 großen Tücher, zumal wir das auch „Durchspielen“ konnten in der einbrechenden Dunkelheit bei Stromausfall, so z.B. in der im Neubau befindlichen Kapelle in Isano oder in Kamuhoza.
Meistens so, das zwei von uns und zwei Freunde ein Tuch gehalten haben, und so eine große Installation entstand, in der letztlich das Faccettenkreuz über mehrere Bänke gehalten wurde.
Spannend war, wenn wir eine Farbe aufgerufen haben und sie mit einem Gefühl oder einer Glaubensaussage verknüpft haben, wie schnell und im buchstäblichen Sinne „selbst-sicher“ unsre Freunde aber auch andere Ruander sich dazu äußerten. Das war zum Teil verwirrend. Anscheinend gibt es auf Kinyarwanda keine Wörter für Lila und Orange, oder eine Frau sagte, sie stelle sich zu Grün, weil das die Farbe für Regen sei. Wir dachten an einen Übersetzungsfehler, aber sie erklärte es mit den dann neuen Knospen der Bananen und Bohnepflanzen. Völlig frei war natürlich die „Farbwahl“ für Hoffnung oder Gerechtigkeit. Gerade bei diesen Inszenierungen mit den großen Tüchern erlebten wir die Ruander mehrheitlich anders, als in den „Lernsituationen“. Und die anwesenden Pfarrer und Diakone warne auch ganz schön verblüfft, wie autonom die Meisten sich einbrachten.
Dann hielten wir die großen Tücher hoch über unseren Köpfen und es bildete sich ein vielfarbiges Dach des Segens, und wie hielten die Tücher - so weit es ging - auf den Boden, wie Land, das auf gute Saat wartet.
Noch zwei Eindrücke sind mir dabei hängen geblieben: Die Angst vor einem neuen Genozid wurde bei mehreren Farbflächen eingebracht und einer brachte ganz konkrete Sorgen rüber: Sein Vater - ein Pfarrer - und ein Presbyter waren gerade wieder aus dem Gefängnis freigelassen worden. Wobei der Presbyter aus der U-Haft hatte flüchten können, aber der Pfarrer nur wieder freigelassen werden sollte, wenn die Kirche den Presbyter stellen würde.
So haben wir mit Stofftüchern in der Hand große Flächen unseres sehr verschiedenen Lebensalltages und unserer Lebenskonzeption gemeinsam in Händen gehalten. Gekrönt wurde das ganze durch ein Lied, dass der Chor von Jean Claude zu diesem Motto geschrieben hatte und uns zur Ehre am Evaluationsvormittag vortrug: Du stellst meine Füße auf weiten Raum!
Wir danken diesmal:
dem Kreissynodalvorstand, Missionsausschuss und Jugendreferat des Kirchenkreises Moers – namentlich
Ferdinand Isigkeit, Helmut Keiner, Lutz Zemke und Christoph Roller
Paul und Papias für die Übersetzungen der Predigten und Anna für das Besprechen die Lernkassetten
den Firmen EMTEC, Shure, Yamaha, TEAC/Tascam sowie den Musikhäusern Musik Produktiv und Musik Thomann
den Verantwortlichen des Krankenhauses Bethanien in Moers und den Firmen Fahr, van Stiphout, Basemer, Trox und Schmitt
und den vielen, die uns zu Konzerten, Berichten und Workshops eingeladen haben
vor allem danken wir zutiefst Aaron, Edith und Juvenal sowie den vielen, die nicht genannt werden wollen
und wir danken für alle Großzügigkeit bzgl. der Erlaubnis zum Fotografieren
Oliver Birk, Anne Bouws, Annette Hampel, Behrend Herren, Tanja Jansen, Malte Mielke, Sebastian Obst, Miriam Rogge, Gesine Voigt und Lisa Voigt
Neukirchen-Vluyn im Oktober 2004
Die Fotoblätter
1) Unsre Gastgeber bzw Freunde, T-Shirt-Aktion
2) Jugendliche und Politik: Tanzfestival im Stadion, Arbeitsalltag,
Memorial, Theaterstück (in Ruyumba), Telefonzelle
3) CPAJ, das Straßenkinderprojekt der EPR: Nähklasse,
Schablonen für Stoffdruck, Seifenproduktion
4) CPAJ, das Straßenkinderprojekt der EPR: Briefkasten für Antragsteller,
Toilettentüren und andere Impressionen
5) Mädchen mit selbstgebauter Trommel, Gitarrenwerkstatt von Methousera
6) Leben auf dem Land: Josephs Familie, Opa,
die Kuh unseres Chorpräsidenten, Frau, die zwei Krüge trägt,
Kochstelle in Justin‘s Haus
und Wohnzimmerschrank in Methouseras Haus
7) Fußball unter Kindern und in der Vereinsmannschaft der EPR in Kigali
8) Ecole Primaire de Mburabuturo und Ecole Secundaire in Kabuga
9) Krankenhaus Krinda: Anti-SIDA-Plakate, gewaschene Handschuhe,
Wöchnerinnen-Station und Funkstation
10) Lac Kivu, Besuch bei den Bootsbauern, Piroggenfahrt mit Marguerite
und ihrem Sohn Martin
11) Lac Kivu: Besuch bei Marguerite und Inspektion unserer Chorziege
mit Zicklein; Großfamilie von Francoise
12) Workshop „Sonorisation“ und Kassetten-Aufnahme
13) Workshops Gitarre und Bass
14) Seifenproduktion der Witwengruppe in Kabuga
15) Produktion von Strohmatten der Sida/Witwengruppe in Kabuga
16) Herstellung von Lehmziegel für den Bau
eines eigenen Brot-Backhauses des Jugendchors in Kabuga
17) Bibelarbeiten und Gottesdienste: Das Huhn in Rubengera,
die dortigen Frauengruppe, die Handy-Ladestation in Ruyumba,
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Evangelische Kirchengemeinde Neukirchen
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